Great Herrengedeck: Brandy und Flämisch Rotbraun, a Match made in Heaven

Great Herrengedeck: Brandy und Flämisch Rotbraun, a Match made in Heaven

Sauerbiere wie Flämisch Rotbraun sind eine aufstrebende Gattung. Das liegt auch daran, dass sie in ihrer Beliebtheit kaum niedriger sinken konnten. Doch im Zuge der Rückbesinnung auf traditionelle Bierstile erleben viele totgeglaubte Sorten eine Renaissance und begeistern mit ihrem feinen Spiel aus Fruchtigkeit, Säure und Malzsüße. Zeit, ihnen die passende Spirituose zur Seite zu stellen: Brandy!

Die Vorzeichen für dieses Herrengedeck könnten besser nicht sein. Das Flämisch Rotbraun wird oft als das weinartigste Bier bezeichnet. Zugleich gilt es aufgrund seiner balancierenden Malzaromatik als “Gateway Sour”, also als Wegbereiter zum Sauerbier für Unbedarfte.

Weinbrand spanischer Machart spiegelt diese Aromen teilweise, allerdings ist der weinartige Charakter nicht so betont wie beim Cognac. Dafür gibt es mehr Würze, die im Bier eine Entsprechung finden soll, eine balancierende Süße zur Säure des Flämisch Rotbraun, und eine gewisse Schokoladennote, die sich in den dunkleren Malznoten des Bieres wiederfindet. Die Erwartungen für eine gelungene Paarung sind jedenfalls hoch.

Der Tanzpartner des Flämisch Rotbraun: Brandy de Jerez

Unser Weinbrand ist der Cardenal Mendoza Clásico. Der Solera Gran Reserva aus der Bodega Sánchez Romate wird in Deutschland und Österreich von Henkell & Co. vertrieben und ist daher trotz seiner hohen Qualität keine nur für Spezialisten aufzutreibende Rarität. Er bringt 42% Vol. auf die Waage und hat durchschnittlich 15 Jahre in Oloroso- und Pedro Ximenez-Sherryfässern hinter sich. Die Solera-Methode (von “Boden” im Spanischen) bezeichnet ein System der Alterung, bei dem unterschiedlich alte Flüssigkeiten verschnitten werden, wobei graduell das Alter steigt. In Bodennähe befinden sich die ältesten Abfüllungen. Der Brandy bietet kräuterhafte Noten und Sherry, filigrane Frucht und würzige Tiefe. Man riecht eine Spur Vanille und leicht mineralische Töne. Schokoladige Weiche und eine feine Apfelsüße im Abgang komplettieren das Trinkvergnügen.

Flämisch Braun wird spontan vergoren

Die Solera-Methode ist dem Reifungsprozess eines Flämisch Braun nicht unähnlich, denn auch bei spontan vergorenen Bieren werden unterschiedliche Reifegrade verschnitten, um ein ausgewogenes Ergebnis zu erhalten.

Spontan vergoren bedeutet, dass das Bier in riesigen, offenen Eichenfässern reift. Wilde Hefen, gewissermaßen durch die Anwesenheit von nahrhafter Flüssigkeit seit Generationen (vieler Menschen- und noch mehr Hefegenerationen) zur Ansiedlung ermuntert, befinden sich im einzigartigen, mikrobiologischen Klima jedes Gärkellers, ja sogar jedes Fasses. Es handelt sich meist um eine bunte Mischkultur aus obergärigen Hefen, Brettanomyces, Milchsäure- und Essigbakterien, je nach Brauerei mit leicht veränderten “Gewichtsanteilen”. Natürlich ist dieses stets einzigartige Klima fragil, und die Brauereien sind sehr darauf bedacht, es zu bewahren. Aus den Fässern, auch Foeder genannt, verschneidet ein Master Blender schließlich das Bier, welches in vielen Fällen nochmals einer Flaschengärung und -reifung unterzogen wird.

Aromatisch typisch für die klassischen Vertreter des Stils ist eine dunkle Balsamico-Note. Essigsäure, Malzsüße und Holzaromen fließen zusammen und kreieren ein wunderschönes Spiel. Um die fruchtigen Noten des Brandys besser zu ergänzen, steht neben dem Klassiker Duchesse de Bourgogne das Rodenbach Alexander, ein mit Kirschen mazeriertes Flämisch Rotbraun, auf dem Tisch. Beide stammen aus Belgien und wurden freundlicherweise von der Bierlinie GmbH zur Verfügung gestellt. Der Dritte im Bunde ist das Flamenco Roja, eine Kollaboration von Uncommon Brewers aus Kalifornien und High Water Brewing aus Colorado. Dieses Bier wurde der Redaktion von der Beerellion GmbH für unser Herrengedeck überlassen. Hier sorgen Granatapfel und Himbeeren für zusätzliche Fruchtigkeit.

Herrengedeck 1: Furztrocken aus Fernwest

Das Flamenco Roja ist trotz des höchsten Alkoholgehaltes aller Teilnehmer (6,6% Vol.) der schlankeste Vertreter im Herrengedeck. Es hat eine milde Weißweinsäure, die Trockenheit spielt eher mit den Granatapfelnoten als mit dem Holz. Seine Herkunft aus einem konstant warmen Staat merkt man dem Werk der Uncommon Brewers an. Unter den gereiften, säuerlichen Roten ist es ein geradezu sensationell gutes Strandbier, ohne ihm Komplexität absprechen zu wollen. Leider erweist es sich in der Paarung mit dem Brandy als zu leichtgängig. Die volle, süßwürzige Wucht des Brandys überrollt das Bier schlicht. Viel mehr als Kontrast zu Ungunsten des Bieres bleibt nicht zurück. Eine spontane Paarung mit Waldhimbeergeist zeigte eine deutliche Steigerung.

Herrengedeck 2: Fruchtiges Furiosum

Das Rodenbach Alexander ist zu Ehren von Brauereigründer Alexander Rodenbach benannt. Es wird zu einem Drittel aus Jungbier und zu zwei Dritteln aus zwei Jahre in Eichenfässern gereiftem Bier hergestellt und mit Kirschen mazeriert.

Diese Paarung gibt deutlich mehr her. Hier funktioniert der Kontrast von fruchtiger Essigsäure und weicher Fülle. Gerade in der Nase sind beide Partner erstaunlich harmonisch, mit Honignoten von Kirschmet und Weinbrandbohnen. Abseits des Geruchs finden die Getränke jedoch ebenfalls nicht recht zueinander. Wenngleich mehr auf Augenhöhe, bleibt es ein Kräftemessen.

Herrengedeck 3: Klassiker unter sich

Das Duchesse de Bourgogne von der Brauerei Verhaeghe aus Vichte, benannt nach der im Heimatort der Brauerei hochverehrten Herzogin Maria von Burgund, ist ein Klassiker seiner Art. Wir wollen es kurz machen: Das hier ist der klare Gewinner!

Das typische Flämisch Rotbraun hat die Süße und Tiefe, um gegen den Brandy nicht unterzugehen. Dennoch bietet es einen frischen Kontrapunkt, fast überraschend bei einem für sich bereits sehr komplexen Bier. Doch genau deswegen wird aus dem Herrengedeck ein Tanz anstelle eines Kampfes. Das Duchesse de Bourgogne spült den schweren Eindruck des Brandys optimal über den Gaumen und hinterlässt dort seine angenehm trockene Säure, während die Gewürznoten beider Getränke wärmend nachklingen.

Erkenntnisse: Sag ja zu Flämisch Rotbraun und Brandy

Die weniger betonte Fruchtigkeit des Brandys über das Bier ausgleichen zu wollen erwies sich als Fehlschlag. Hier scheinen harmonische Paarungen mit ungereiften Fruchtspirituosen deutlich schmackhafter. Der Klassiker von Rodenbach, das Rodenbach Grand Cru, dürfte sich ebenso gut mit dem Brandy verstehen wie das Duchesse de Bourgogne.

Das Herrengedeck Flämisch Rotbraun und Brandy selbst ist unterm Strich aber ein absoluter Kracher und dürfte sowohl Bier- als auch Weinbrandliebhaber überraschen.

Und hier geht es zur Einkaufsliste:

Bier

Uncommon Brewers / High Water – Flamenco Roja
Alkoholgehalt: 6,6% Vol.
Füllmenge: 47,3 cl (Dose)
UVP: € 14,99

Vertrieb: Beerellion GmbH
https://www.facebook.com/pg/beeroffice/about/

Claire-Waldorff-Straße 4, 10117 Berlin

Brouwerij Rodenbach – Rodenbach Alexander

Alkoholgehalt: 5,6% Vol.
Füllmenge: 75 cl (Flasche)
UVP: € 14,99

Brouwerij Verhaeghe Vichte – Duchesse de Bourgogne

Alkoholgehalt: 6,2% Vol.
Füllmenge: 25 cl (Flasche)

UVP: € 2,19
Vertrieb:
Bierlinie GmbH
https://bierlinie.de

Am Borsigturm 100, 13507 Berlin

Brandy:

Cardenal Mendoza Clásico Solera Gran Reserva

Hersteller: Bodega Sánchez Romate

Alkoholgehalt: 42% Vol.
Füllmenge: 70 cl
UVP: € 25,99

Vertrieb: Henkell & Co. Sektkellerei KG.
Biebricher Allee 142, 65187 Wiesbaden

Offenlegung: Der Autor arbeitet hauptberuflich für die Bierlinie GmbH. Die Testmuster erhielt die Redaktion jedoch auf Anfrage bei dem Getränkefachgroßhändler.

Photo Credit: Tim Klöcker 

Vermutlich haben Sie jetzt so richtig Lust bekommen, noch mehr über Herrengedecke zu lesen! Das ist glücklicherweise möglich. Lesen Sie sich durch die Freuden von Bier und Schnaps, in den eigenen Hallen getestet, auswärts höchst selbst probiert. Viel vergnügen!

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