Great Herrengedeck: India Pale Ale trifft Williams Christ Birne

Great Herrengedeck: India Pale Ale trifft Williams Christ Birne

Zwei, die sich gut verstehen, oder zwei, die lieber die Straßenseite wechseln sollten? Wir klären auf, was passiert, wenn ein hochwertiger Williams Christ Birnenbrand auf drei deutsche IPA-Klassiker trifft.

India Pale Ales sind vielschichtig, und dank neuer Gattungen wie East Coast, Hazy oder double dry-hopping (DDH) sind sie noch abwechslungsreicher geworden. Bleiben wir für einen kurzen Moment jedoch konservativ und widmen uns für diese Ausgabe von Great Herrengedeck dem bewährten IPA-Stil, inspiriert von der amerikanischen Westküste.

IPA trifft Williams Christ Birne

Die gerne eingebundenen, tropischen Fruchtnoten aus den Aromahopfensorten der C-Kategorie, gepaart mit einer eleganten Bitter-Balance, werden auch von deutschen Brauern auf hohem Niveau eingebraut. Sie lassen sich spannend zu kräftigen und würzigen Speisen wie Burger & BBQ, Wild und kräftigen Käsesorten servieren, aber auch Tomatengerichte rings um Pizza und Pasta sowie die exotischen Gewürze der indischen Küche passen hervorragend dazu.

Bei einem Herrengedeck erfolgt ein spannend-köstlicher Moment, wenn ein Obstbrand die Fruchtigkeit des Bieres aufgreift und eine gewisse Süße der Spirituose in den Dialog mit der Bittere des Bieres tritt. Birnenbrand erfüllt diese Kriterien bestens, und so widmen wir uns genau dieser Paarung.

Eine der bekanntesten Birnenbrand-Gattungen ist die oft sortenrein als „Williams“- oder Williams Christ Birne bezeichnete Frucht. Der Londoner Gärtner Richard Williams ist der Namensgeber der Gattung, die im frühen 19. Jahrhundert von den Bauern Kontinentaleuropas aufgegriffen und kultiviert wird. Birnen beinhalten von Natur aus ein hohes Mass an Zucker, was für den Gärprozess und somit die Herstellung eines Brandes vorteilhaft ist.

Zehn bis zwölf Kilo Birnen in einem Liter

Ausgerechnet unsere Williams Christ Birne ist eher zuckerarm. Das Obst wird vollreif verarbeitet. Jeder Schritt des Herstellungsprozesses erfordert große Sorgfalt, denn die Williams Christ Birne kommt ein wenig divenhaft daher, verlangt sie doch konstante, nicht zu hohe Temperaturen bei der Gärung.

Sie liebt es dunkel, die Maische ist sehr empfindlich. Um einen Liter vernünftigen Birnenbrand zu erzeugen, sind mindestens zehn Kilogramm Birnen erforderlich. Viele namhafte Manufakturen verwenden jedoch deutlich mehr, zuweilen das Dreifache. Die Ergebnisse sind vielfältig, von frisch bis elegant, von filigran bis kraftvoll. In den feinen Destillaten schmeckt man zuweilen die reife Frucht, bei anderen eine deutlich jüngere.

Für unsere Verkostung wählen wir die Morand Williamine aus Martigny im Schweizer Wallis. Zwölf Kilogramm Birnenmaterial werden für einen Liter Eau de vie benötigt. Das Ergebnis ist würzig und frisch zugleich und erinnert an eine reife, gelbe Birne. Es ist ein kontrastreiches Destillat mit intensiver Würze, beinahe ein wenig pfeffrig. Der Abgang ist komplex fruchtig und mit einer dezenten Schärfe versehen.

Den Anfang macht Hanscraft Backbone Splitter

Birne hat mit IPA gemeinsam, dass der Auftakt oft süß und fruchtig ist und der Nachhall eine feine trockene Facette enthüllt. Wir erproben die Morand Williamine mit den India Pale Ales von bewährten Klassikern der deutschen Kreativbier-Szene: Hanscraft Backbone Splitter, Himburgs Amarsi Double IPA und das DryPA von Ale-Mania aus Bonn.

Der Auftakt mit dem Hanscraft Backbone Splitter ist sehr erfreulich. Das IPA mit 6,6 % Vol. und den Hopfenaromen von Amarillo, Centennial und Simcoe bietet genau die gewünschte Ausgewogenheit zwischen Fruchtigkeit von Mango und Pfirsich im Antrunk sowie einer kräftigen Bittere im Nachhall. Am Gaumen gesellt sich eine feine Honigsüße hinzu. Die bitter-fruchtige Balance vermählt sich hervorragend mit dem Birnenbrand.

Die Bittere erschlägt die Birne nicht und die Fruchtnoten schmiegen sich auf eine Weise an die Birne an, dass Frische und Komplexität betont werden. Die opulenten Birnennoten bieten wiederum einen schönen Rahmen, um die Rezenz und den IPA Charakter des Backbone Splitters zu betonen. Ein schönes Paar.

Birne und Ale-Mania DryPA

Das Ale-Mania DryPA kontert mit den Hopfenaromen von Simcoe, Centennial, Summit und Columbus und 69 IBU-Bittereinheiten. Brauer Fritz Wüfling rückt in seinen IPAs gerne den Malzkörper etwas deutlicher in den Mittelpunkt der Aromatik, was ihm in seinem regulären IPA mit 54 IBU hervorragend gelingt.

Das DryPA macht allein aufgrund der Malzschüttung neugierig, wenn Pilsner Malz sowie Gersten- und Weizenmalz miteinander vermählt werden und auch Traubenzucker mit in den Sud kommt.
Ein fruchtig-süßlicher Duft betört die Nase, und dieser Eindruck setzt sich auch im Antrunk fort. Malz und Fruchtaromen füllen den Mundraum, im Nachhall kommt das Trockene und eine dezente Bittere hinzu, die sich aber nicht gegen die Süße durchsetzen kann.

So ganz wird auf Anhieb nicht klar, warum bei diesem IPA 7,2% Vol. nötig sind und woher das „dry“ im Namen seine Berechtigung erhält, da eine kuriose Grundsüße dominiert und die einzelnen Aromakomponenten zwar interessant, aber nicht harmonisch wirken. Dieses erschwert auch das Zusammenspiel mit dem Birnenbrand.

Gemeinsam entwickeln Birnenbrand und DryPA eine unsympathische, vordergründige Säure. Individuelle Aromen von Obstbrand und IPA gehen teilweise verloren. Es entsteht dabei nichts Neues, nichts Angenehmes. Dieses IPA hat gewöhnungsbedürftige Süß-Noten, die überraschen und das IPA ungewöhnlich machen. Leider profitiert die Williams Christ Birne davon nicht.

Die Birne und Amarsi Double IPA

Als dritter Kandidat geht Himburgs Amarsi Double IPA ins Rennen. Kraftvolle 8,1% Vol., eine Bittere von 66 IBU und die Hopfensorten Amarillo und Simcoe bilden das Rückgrat dieses Klassikers, der neuerdings im Brauhaus von Kuehn Kunz Rosen in Mainz eingebraut wird.

Im Glas leuchtet ein appetitliches Rotbraun. Die Nase wittert herb-trockene Noten mit Holz, Kräutern und Orange. Im Antrunk kommen weitere gelbe und orangene Fruchtnoten hinzu, bevor sich eine stattliche Bittere aufbaut und den sehr langen Nachhall eindrücklich begleitet, indem es sich herrlich mit der Fruchtsüße vermählt.

Das Bier ist herrlich und ergänzt sich mit den süßen und herben Anklängen der Birne. Das Bier steht im Vordergrund in diesem Pairing und bildet den Planeten. Die Birne ist ein spannender, kleiner Satellit in der Umlaufbahn des Amarsi. Sehr gut möglich, dass bei diesem Bier ein holzfassgereifter Obstbrand ein noch spannenderer Begleiter wäre.

Fazit: Birnenbrand und IPA mögen sich

Es bleibt dabei: Birne und IPA verstehen sich gut miteinander. Wobei ein klassisches West Coast IPA mit nicht allzu hohem Alkoholgehalt wohl als der anpassungsfähigere Partner der Birne erscheint. Das Hanscraft Backbone Splitter ist dabei eine perfekte Option.

 

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Photo Credit: Tim Köcker

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