Was gärt? XXIII Bierautomaten in Thailand, Italian Grape Ale, BrewDog Craft Beer Airline und Personalrochaden

Was gärt? XXIII Bierautomaten in Thailand, Italian Grape Ale, BrewDog Craft Beer Airline und Personalrochaden

International geht’s zu in dieser Ausgabe von Was Gärt?: Wir widmen uns der Tatsache, dass es keine Bierautomaten in Thai-Spätis mehr gibt, dem Aufkommen von Italian Grape Ale sowie der Frage, was es mit der von BrewDog ins Leben gerufenen Craft Beer Airline auf sich hat. Dazu gibt es etwas Personalkarussell in der deutschen Braulandschaft.

Kein Selbstgezapftes mehr in Thailands Spätis

Die Meldung trifft deutsche Bierfreunde sicherlich hart. Nun ja, den ein oder anderen Urlauber vielleicht. Thailands Spätis dürfen kein Fassbier mehr verkaufen. Anders als in Deutschland gehören die Convenience Stores in Thailand meist zu großen Ketten US-amerikanischer Herkunft wie 7 Eleven oder Mini Mart.

Diese hatten sich im letzten Jahr an der Einführung von vollautomatischen Zapfmaschinen versucht, mit Erfolg. Das Ganze funktioniert letztlich wie ein Kaffeeautomat, nur eben mit Plastikbechern und Bier. Letztlich handelt es sich um den Versuch, am Fassbiermarkt teilzuhaben, ohne eine volle Gaststätte mit den dazugehörigen Lizenzen betreiben zu müssen.

Doch schnell äußerte sich Unmut über die neue Praxis. Die leichte Zugänglichkeit, die Normalisierung eines alkoholischen Getränks als tägliches Verbrauchsgut, der notwendige Sofortverzehr und damit eine erhöhte Alkoholisierung am Steuer sind einige der Bedenken, die geäußert wurden. Nun sind die Bierzapfautomaten in Spätis offiziell verboten worden.

Auch in Deutschland bewegen sich viele Spätverkäufe in einer rechtlichen Grauzone, denn sie bieten sowohl die alkoholischen Getränke als auch Sitzmöglichkeiten an. Doch da keine Bedienung und kein Ausschank im Glas stattfinden, kommt man um die Schanklizenz herum. Bierautomaten im Späti haben bei uns also ebenfalls keine Chance.

Italian Grape Ale erobert Deutschland

Es ist ein noch junger Stil, seit 2015 im Beer Judge Certification Program aufgeführt, bei internationalen Wettbewerben aufgrund geringer Teilnehmerzahl jedoch meist noch bei den Frucht- oder Spezialbieren geführt: italienisches Traubenbier. Der Trick von Italian Grape Ale ist, neben der Bierwürze auch Traubenmost als Ausgangsflüssigkeit zu verwenden.

Es handelt sich also nicht um ein Biermischgetränk (bei dem die Zugabe nach der Gärung stattfindet), sondern um einen echten Hybriden. Biere wie das Jadis von Toccalmatto, das Limes von Bruton oder BeerBera von LoverBeer zeigen, wie vielfältig die Brauer und Winzer auch innerhalb dieses nischigen Stils agieren können.

Nun kommen immer mehr Brauer und Winzer in Deutschland auf den Geschmack. Eigentlich logisch, denn auch wenn es größere Weinländer gibt, haben wir doch eine lebhafte Wein- und Bierkultur. Diese zu verbinden war also eine Frage der Zeit. Brauereien wie Kuehn Kunz Rosen aus Mainz, Bayer Theinheim aus Franken und Ganter aus Freiburg schicken sich an, Bier- und Weintrinker endlich zu versöhnen und einem die leidige Entscheidung für das eine oder das andere abzunehmen.

Personalkarussell

Nach nur 15 Monaten nimmt Alessandra Cama ihren Hut als Geschäftsführerin von Warsteiner. Da der einstige Pils-Marktführer sich in einem rigorosen Verschlankungsprozess befindet (z.B. 17% seiner Mitarbeiter entlassen muss), gibt es also weiterhin keine Anzeichen für eine Stabilisierung bei den Sauerländern, auch der Verkauf der zur Gruppe gehörigen Herforder Brauerei ist nicht abgeschlossen.

Der Nachfolger von Alessandra Cama, Christian Gieselmann, kam zusammen mit ihr von der Unternehmensberatung Roland Berger und diente bereits als CFO bei Warsteiner. Weniger Sorgen bereitet die Wahl des neuen Präsidenten der Privaten Brauereien Bayerns. Der Verband von mittelständischen, inhabergeführten Betrieben wählte Georg Rittmayer von der Brauerei Rittmayer zum Nachfolger von Gerhard Ilgenfritz, welcher nach 12 Jahren an der Spitze des Verbands abdankt. Als Ehrenpräsident bleibt er dem Verein allerdings erhalten.

Rittmayer lobte Veränderungen am Ausbildungsbetrieb in Brauereien, Bürokratieabbau und eine Erhöhung der Pfandgebühren als Ziele aus. Recht so! Zehn Cent pro Flasche sind einfach sinnvoller und reduzieren das ganze Kupfer, welches man nutzlos mit sich schleppt!

Zu guter Letzt hat Carlsberg Deutschland einen neuen Vertriebsdirektor: Kay Torsten Knepper, zuvor in selber Funktion bei der italienischen Kaffeemarke Lavazza tätig, wird ab dem neuen Jahr maßgeblich die Geschicke des dänischen Bierriesen (Nr. 3 weltweit) beeinflussen und versuchen, die Verfügbarkeit von Marken wie Holsten, Astra oder Duckstein zu stärken. Da Knepper seine Karriere einst bei Bavaria St. Pauli begann (heute Holsten), bringt er genügend Erfahrung mit.

BrewDog Airlines auf dem Weg zur Startbahn

Sie können es nicht lassen, die Schotten. Kein Monat vergeht, ohne dass die Brauer aus Aberdeenshire mit irgendeinem neuen Projekt auf die Pauke hauen. Wobei, Brauer ist inzwischen wohl zu eng gefasst: Brauer, Gastronomen, Anteilsspekulanten, Hoteliers … und nun wohl auch Airline-Inhaber. Der Probeflug mit einer gecharterten Boeing 767 steht ausschließlich Leuten offen, die via Equity for Punks Firmenanteile erworben haben, und geht von Columbus, Ohio, nach London. In Columbus eröffnete unlängst das Brauereihotel der Brauhunde.

Der Kniff am Bierflug ist, dass jedes Crewmitglied gleichzeitig ein Cicerone ist (ähnlich dem Biersommelier in Deutschland), und das an Bord spezielle Biere gereicht werden, die an das geminderte Geschmacksempfinden in großen Höhen angepasst sind. Das bierige Äquivalent zu Tomatensaft mit Salz und Pfeffer, sozusagen. Dazu gibt es Food Pairing und Stadt- sowie Brauereiführungen, alles für 1.250 Pfund.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Crew auch Erfahrung mit trunkenen Fluggästen hat, die sich auf dem zehnstündigen Flug sicherlich nicht werden vermeiden lassen.
Abheben soll der, Achtung Wortwitz, Pilotflug im Februar 2019.

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Photocredit Tim Klöcker und Shuttertsock

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