Was gärt? XVIII – Italien liebt deutsches Bier und die Boston Beer Company Präsident Trump

Was gärt? XVIII – Italien liebt deutsches Bier und die Boston Beer Company Präsident Trump

Jim Koch von Samuel Adams sorgt mit seinem Lob für Donald Trump für helle Aufregung in der amerikanischen Bierwelt und muss gleichzeitig den Craft-Spitzenplatz an AB-InBev abgeben, wenn die so etwas überhaupt dürfen. Der Exportschlager deutsches Bier findet besonders im Süden Anklang, und ein uralter Roggen-Trittbrettfahrer entpuppt sich in Bayreuth als passables Braugetreide.

Samuel-Adams-Gründer Jim Koch lobt Donald Trumps Steuerpolitik

Wer immer noch nicht glaubt, dass sogenanntes „Craft Beer“ mehr als nur ein Marketingschlagwort ist, sondern auch eine politische Dimension hat, der sehe dieser Tage hinüber in die USA, wo der erste Kreativbier-Milliardär der Welt, Boston-Beer-Company-Gründer Jim Koch, hart in der Kritik steht, weil er bei einem Dinner mit Donald Trump dessen Steuerpolitik gelobt hat. Doch ist das wirklich so überraschend?

Mit Harvard-Abschlüssen in Betriebswirtschaft und Jura und einer steilen Karriere bei der Boston Consulting Group gehört Jim Koch zum Establishment der Ostküsten-Finanzwelt. Auch sein Einstieg in die Bierwelt 1984 war nicht nur pure (Heimbrauer-)Passion, sondern wohlkalkuliert anhand der steigenden Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für Auslandsimporte, zu denen Jim Koch eine heimische Alternative bieten wollte. Das ist nicht die reine Bierbegeisterung, sondern ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell.

Genau in diese Kerbe schlug nun auch sein Lob für Donald Trump bei einem Golfclub-Abendessen mit Geschäftsführern so illustrer Unternehmen wie FedEx, Boeing und Pepsi. Die Steuererleichterungen erlaubten es den bisher zu 38% besteuerten Brauereien, mit den internationalen Wettbewerbern auf Augenhöhe zu konkurrieren, so Jim Koch.

Dazu muss man wissen, dass die größten Bierproduzenten der Vereinigten Staaten allesamt im Besitz ausländischer Konzerne sind, so etwa Budweiser (AB-InBev, Belgien), MillerCoors (ein Joint Venture von Molson Coors, Canada, und dem früheren südafrikanischen SAB Miller, mittlerweile ebenfalls AB-InBev), oder Heineken (Niederlande).

Isoliert betrachtet eine nachvollziehbare Haltung aus Sicht des Unternehmers. Entsprechend richtet sich die Kritik an Jim Koch, z.B. von Somerville (MA)-Bürgermeister Joseph Curtatone vorgetragen, nur teilweise gegen die Unterstützung der Steuererleichterungen für große Unternehmen und Superreiche (zu denen Koch zählt), sondern wird gleichgesetzt mit einer Unterstützung von Trumps Politik generell. “Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns!”, scheint das Schlagwort der Stunde, und wer die Einladung zum Abendessen mit dem kontroversen Präsidenten nicht ausschlägt oder benutzt, um diesem direkt die eigene, abweichende  Meinung zu geigen, der kann auch kein echter, sogenannter „Craft“-Brauer sein, scheint die Devise.

Gegenfrage: Wie kommt man denn überhaupt an den Punkt, einem Sohn erfolgreicher Unternehmer mit steiler Karriere im Finanzsektor und Milliardenkapital eine rebellische, linksliberale Attitüde passend zum Bild der amerikanischen „Craft Beer-Revolution“ zu unterstellen? Wurde dieses Bild von Jim Koch verkaufsfördernd geformt oder entspringt es dem Wunschdenken mancher Konsumenten?

Übernimmt AB-InBev die US-Marktführung im „Craft“-Bereich?

Gut zu obiger Aussage des Begründers von Samuel Adams (Boston Beer Company) passt es, dass seine Firma zeitgleich von AB-InBev im sogenannten „Craft“-Bereich überholt wurde. Moment! AB-InBev? Craft? Dürfen die das? Das kommt darauf an, wen man fragt.

Auf die Verwässerung des “Craft”-Begriffes und seine Adoption in die Werbesprache der Braukonzerne folgte die Gegenmaßnahme der Brewers Association of America und die Einführung des “Independent Craft”-Etiketts (3B berichtete). Denn für die Mehrheit der Konsumenten ist “Craft Beer” aus einer unabhängigen Brauerei weder im Marketing noch im Geschmack sinnvoll von “Crafty Beer” aus Konzernbesitz zu unterscheiden. Sie kaufen einfach beides.

Für eine wirtschaftliche Einordnung der Verkaufszahlen in einem Segment hat es also durchaus Sinn, auch das Konzern-Craft-Beer mit einzubeziehen. Hier hat die Craft-Abteilung von AB-InBev inzwischen die Boston Beer Company überholt und die 100-Mio.-Dollar-Umsatzmarke hinter sich gelassen, welche Boston Beer verfehlte.

Durch zahlreiche Aufkäufe von Brauereien in diesem Segment und den Druck durch die Marktmacht eines Weltmarktführers ist AB-InBev nun also auch in den Vereinigten Staaten Craft-Spitze. Nach Definition der Brewers Association sind all diese Brauereien freilich kein Craft Beer, nur schert sich die Firma AB-InBev eben nicht um die Definition einer Organisation, in der sie kein Mitglied ist oder sein kann. Eine gesetzliche Definition gibt es in den USA für den Craft-Begriff nicht.

Deutscher Bierdurst im Stiefel

Was? Stiefelsaufen bei 3B? Und sowas nennt sich Trinkkultur! Nein, keine Sorge! Doch fragt man hierzulande nach dem größten Abnehmer für deutsches Bier, kommen wahrscheinlich zunächst Länder wie die USA, noch getrieben vom alten Vorurteil, dass es dort nur Plörre zu trinken gibt.

Doch halt, aufmerksame Leser dieses Magazins wissen ja, dass es in den USA inzwischen 7.000 Brauereien mit oftmals exzellentem Bier gibt, die sich um Marktanteile zoffen. Also weniger Platz für Importe. China wäre der nächste Standardkandidat, und tatsächlich belegt die Volksrepublik Platz 2 der Abnehmer für deutsches Bier.

Doch die Nummer 1 gebührt den Italienern, mit Abstand. Geographisches Stiefelsaufen quasi. 321 Mio. Liter deutsches Bier flossen laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2017 in den Südzipfel Europas. Umgerechnet auf italienische Bürger im trinkfähigen Alter macht das knappe sechseinhalb Liter deutsches Bier pro Kopf.

Das klingt jetzt nicht nach sehr viel, doch bedenkt man einerseits die extrem lebhafte und kreative Kleinbrauerszene Italiens und andererseits, dass es sich bei Italien immer noch überwiegend um ein Weinland handelt (34 Liter pro Kopf und Jahr, 20 Mio. Hektoliter Gesamtkonsum), dann ist es schon eine erstaunliche Vorliebe. Insbesondere fränkische und bayrische Spezialitäten werden geschätzt.

Steinzeit-Süßgras: Roggentrespe als Ersatz für Braugetreide?

Was ist die Roggentrespe? Es handelt sich um ein Süßgras (wie Roggen auch eines ist), dessen Überlebensstrategie es war, sich als Roggen zu tarnen (anthropomorphisiert, muss nicht stimmen). So wurde es seit Anbeginn des Ackerbaus mit geerntet und wieder ausgesät. Clever. Mit der Ankunft moderner Unkrautbekämpfungsmittel und Saatgutreinigung verschwand die Pflanze überwiegend von den landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Wie der Wiesenbote berichtet, haben nun die Universität Bayreuth und die Mälzerei Ireks aus Kulmbach ein Testfeld mit dem Süßgras geerntet, es anschließend vermälzt und verbraut. Resultat erfolgreich, offenbar kam ein geschmackvolles Bier dabei heraus, und man berät nun, ob sich ein Anbau für kommerzielle Zwecke lohnt.

Schmunzeln lässt natürlich wieder das Beharren auf der Einhaltung der Vorgaben des bayrischen Reinheitsgebotes. Selbst bei Pflanzen, deren Existenz zum Zeitpunkt des Erlasses 1516 gar nicht bekannt war und die einer anderen Gattung als Roggen (von Gerste ganz zu schweigen) angehören, kann man noch nach Reinheitsgebot arbeiten? Bemerkenswert! Halten wir also die Augen offen nach einem neuen Bier im Superfood-Regal!

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Photo Credit:  Samuel Adams / Boston Beer Company

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