Frisch aus der Flasche: Berliner Bierfabrik Kwaai Rooibos Infused Ale

Frisch aus der Flasche: Berliner Bierfabrik Kwaai Rooibos Infused Ale

Valesca Leven, Auszubildende der Berliner Bierfabrik, hat mit dem Kwaai Rooibos Infused Ale ihr erstes in Eigenregie entwickeltes Bier abgeliefert. Und der Aufschlag ist gelungen, meint Dirk Hoplitschek.

Mit Tee und Bier kennt sich die Bierfabrik inzwischen aus. Sowohl die Kollaboration mit Jing-A aus Peking, ein heller Bock mit Jasmintee, als auch der Gemeinschaftssud “Madame Grey” mit Brlo zur Berlin Beer Week 2017, ein Pilsener mit Earl und Lady Grey-Tee, waren bzw. sind mehr als gelungen. Das neueste Werk ist ein Ale mit Rooibos. Kann es die Erfolgsgeschichte fortsetzen?

Berliner Bierfabrik: Dat is voll Kwaai

“Kwaai” ist südafrikanischer Slang und bedeutet so viel wie “cool”. Mehr als das – auf die Berliner Straßen gebracht, wäre “oberknorke” vielleicht eine angemessene Übersetzung. Erdacht und umgesetzt wurde das Kwaai Rooibos Infused Ale von Valesca Leven, selbst aus Kapstadt, und ihres Zeichens Auszubildende bei der Bierfabrik.

Damit handelt es sich um das erste, komplett in Eigenverantwortung gebraute Bier der Südafrikanerin. Das ist wörtlich gemeint, denn selbst den Rotbusch schmug…, äh, transportierte sie selbst aus der Heimat nach Berlin.

Kein Tee

Teebier ist dabei natürlich nicht ganz korrekt, denn Rooibos (übrigens “roi-boss” gesprochen) besteht aus gehackten und anschließend fermentierten Pflanzenteilen des gleichnamigen Strauches.

Die Teepflanze spielt bei diesem Bier also – anders als bei den zuvor genannten – keine Rolle, dafür verleiht der Rotbusch dem Bier seinem Namen entsprechend eine schöne Bernsteinfarbe mit leichtem Rotstich, hinzu kommt eine moderate Trübung. Der Schaum ist fast blütenweiß und stabil.

Verkostungsnotizen Kwaai Rooibos Infused Ale

Im Kern ist das Kwaai ein Golden Ale, eher an den englischen als an den amerikanischen Stil angelegt, und auch vom Alkoholgehalt her mit 4% Vol. verhalten. Das erdig-fruchtige Aroma der Alehefe ergänzt sich dabei gut mit dem des Rooibos, man fühlt sich an Beerenmarmelade erinnert. Hinzu kommt eine blumige Hopfennote. Die Malzsüße wirkt keksartig und toffeehaft, ein Hauch Vanille und Hibiskus komplettieren das Bild.

Der erste Eindruck im Mund ist ob des groben Sprudels etwas brausig, doch die flächige Malzigkeit bietet genügend Ausgleich, insgesamt entsteht ein frischer Eindruck. Wie bei englischen Ales im Pub tut der geringe Alkoholgehalt dem Bier keinen Abbruch, Geschmack ist genügend vorhanden. Die Rooibosnote bleibt subtil und fügt sich gut ein, zum Ende hin zeigt sich eine herbe Note, die jedoch mild bleibt.

Eine dicke Aromenexplosion darf man vom Bierfabrik Kwaai Rooibos Infused Ale nicht erwarten, wohl aber ein angenehm leichtes Trinkbier, das dennoch eine befriedigende, geschmackliche Intensität liefert.

Kwaai Rooibos Infused Ale

Alkoholgehalt: 4,0% Vol.
Stammwürze: 10° Plato
Malzsorten: Pilsner, Karamellmalz, Melanoidinmalz, etwas Sauermalz (zum pH-Ausgleich)

Hopfensorten: Herkules, Hallertauer Mittelfrüh

Hefe: US 05

Preis: ca. € 2,00

Resultat:

Ährenrunde: Tee im Bier – wie das?

Tee und andere Aufgüsse mit heißem Wasser lassen sich auf verschiedene Arten in den Brauprozess einbinden. Zunächst mag man versucht sein, den Tee während der Kochung zuzugeben, quasi in einem großen Teebeutel. Schließlich wäre dies dem eigentlichen Aufguss am nächsten.

Analog zum Hopfen verfliegen dabei allerdings recht viele Aromen, während sich die Bitterstoffe halten. Der richtige Zeitpunkt und die richtige Dauer sind hier also ebenso wichtig wie bei der Hopfengabe. Entsprechend ist auch die Zugabe während der Gärung beliebt. Ob der kühleren Temperatur muss hier natürlich etwas länger infusioniert werden. Teestopfen statt Hopfenstopfen, quasi.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Hier geht es zu weiteren Verkostungen aus der Reihe Frisch aus der Flasche!

Photo Credit: Bierfabrik und Shutterstock

WRITE A COMMENT