Ein neues Meisterstück eröffnet das Feuer

Ein neues Meisterstück eröffnet das Feuer

Seit 2012 gibt es das Meisterstück als Bierrestaurantkonzept. Mit über 400.000 Euro, die man via Crowdfunding einwarb, stemmt man nun die Expansion. Das Meisterstück Ku’damm ist der jüngste Streich.

Das Meisterstück Ku’damm ist das vierte Restaurant, das unter der Ägide von Frank Waldecker ins Leben gerufen wird und es steht in Charlottenburg – auf dem berühmten Kurfürstendamm, um genau zu sein. Am 14. September feierte es Eröffnung zwischen Olivaer- und Adenauer Platz und zählt neben der Niederlassung am Hausvogteiplatz zum zweiten Meisterstück der Kapitale. Die anderen beiden Etablissements stehen in München – einmal in Haidhausen, einmal in Pasing.

Für Frank Waldecker ist das Meisterstück nicht der erste Schritt in die Gastronomie. In den 80er- und 90er-Jahren – wann sonst? – hatte er bereits acht Mikrobrauereien mit angeschlossenen Gasthäusern eröffnet und verzeichnete dort Gäste wie die präsidiale Bush-Familie sowie Bill Clinton, und auch die deutsche Riege der Regierer von Helmut Kohl über Gerhard Schröder bis hin zu Angela Merkel fanden zu Tisch bei Herrn Waldecker. Nein, wir glauben nicht an Name-Dropping. Aber vielleicht an die Gaumen derer, die zwischen Currywurst und Foie Gras de Canard schon ziemlich viel erlebt haben und entscheiden können, was sie sich ein zweites Mal einverleiben wollen – oder eben nicht.

Bier und Wurst im Westen

Am 14. September servierte man am Ku’damm erstmals „2/4 Bauernkruste“ – gibt es auch in München, kommt hier wie dort in einer Variation aus Aufstrich, Käse und Wurst und schmeckt wie eine royale Brotzeit zwischen Schwarzwald und Nepal. Weiterhin gibt es Saunheimer Bratwurst aus Potsdam und „Frog in the Stroh“ – ersteres ist vermutlich eine der besten Bratwürste, die man in Berlin bekommen kann, muss man sich für rund zehn Euro aber auch proaktiv für entschieden. Zweiteres ist eine vietnamesisch inspirierte Wurst mit Mangosenf, Wasabi-Spitzkohl und damit eine sehr elegante Weise der Wurstaufnahme. Es folgt gezupfte St. Louis Schulter aus dem Rauch, Patrami im Toast, auf Buchholz geschmorte Hochrippe und ein „Brauni“ mit Berliner Nacht. Dabei ist es gerade einmal 14:00, auf dem Tisch stehen diverse Biere, davor sitzen ihre Brauer. Das sind unter anderem Sebastian, der aus der Berliner Bierfabrik ein Maplestout mitgebracht hat, Julian, der mit seinem Rauchweizen aus der Steglitzer Brauerei Malz und Moritz die quasi flüssige Form des Meisterstücks kreiert hat und Georg von der Brauerei Fuerst Wiacek mit einem New England IPA. Bier und Wurst im alten Westen – mehr Berlin geht kaum.

Meisterstück Ku’damm und Mustafa

Man kann dem Meisterstück einiges vorwerfen – sollte man dem Trend folgen und sich durch Gastro-Krittelei auf kostümloseste Weise als Insider zu verkleiden. Man könnte dann sagen, dass die Preise und Essensmenge sich in den letzten Jahren verändert haben, dass der Service nicht in Schallgeschwindigkeit arbeitet und dass man während des Essens von einer Bande abgelichteter Brauer angestarrt wird. Und richtig in Rage, könnte man sogar bemängeln, dass man zum Zahlen an die Kasse gehen muss, das vegetarische Angebot gering ist und die Kleidung nachher nach Rauch riecht.

Muss man aber nicht. Die Fleischqualitäten des Meisterstück sind beinah durchweg aus Bio-Haltung und nicht selten kommt es vor, dass ein Stück Fleisch bis zu 16 Stunden im Buchenholzfeuer gerillt wird. Genau, im Buchenholzfeuer – und das riecht man auch. Auch als visuelles Zentrum der „Craft und Feuer“-Kette wird die Meisterstück-Crew nicht müde, den Gästen Führungen durch das Restaurant und die „Meistergallerie“ zu geben. Wer es schnell, fleischarm, luftig und günstig haben will, für den empfehle sich besser Mustafas  Gemüsekebap. Gibt es neben Berlin mittlerweile ja auch in München. Das ist glücklicherweise aber auch das einzige, was diese beiden Etablissements gemeinsam haben. Frank Waldecker hat mit dem Meisterstück jedenfalls einiges richtig gemacht und mit der Kombination aus Brau-, Back- und Brathandwerk einen Puls dieser Tage getroffen.

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