Was gärt? XXVIII Enter Night Pilsner von Metallica und Stone, Gewinner des Bierjahres 2018, Transparenz für Konsumenten

Was gärt? XXVIII Enter Night Pilsner von Metallica und Stone, Gewinner des Bierjahres 2018, Transparenz für Konsumenten

Was Gärt widmet sich diesmal den großen Trends: Transparenz für Konsumenten durch mehr Informationen auf dem Etikett, gewohnten und überraschenden Gewinnern des Bierjahres 2018, sowie einem neuen Bandbier. Okay, letzteres ist vielleicht nicht so gigantisch, aber definitiv ein Trend.

Stone & Metallica – Enter Night Pilsner

Im Sommer endete die eben erst über den großen Teich geschwappte Zusammenarbeit zwischen Stone Brewing aus Kalifornien und der Punk Rock-Band NOFX, wie 3B berichtete. Bandmitglied Fat Mike hatte ungeschickt über die Opfer des Schützen in Las Vegas vom Stapel gelassen: “Wenigstens waren die Opfer Country-Fans, keine Punk-Rock-Fans.” Too soon, Fat Mike.

Trotz einer späteren Entschuldigung kappte Stone die Zusammenarbeit, auch wenn die erste Europaausgabe der Punk-in-Drublic-Festivals im Sommer noch stattfand. Zu viele Steine bereits ins Rollen gebracht, Fortsetzung allerdings unwahrscheinlich. Für das Musikevent braute Stone auch ein hopfiges Lager unter dem Namen Punk in Drublic. Dieses wurde natürlich ebenfalls eingestellt, restliche Abverkäufe gehen in eine Spende an das Las Vegas Police Department.

Damit ist natürlich im Stone-Portfolio ein Platz frei für ein ordentlich gehopftes Lager mit Band-Affinität. Berechnet man die Zeit zur Entwicklung eines Alternativkonzepts, Kontaktaufnahme zu einer neuen Band, Rezeptentwicklung, Brau- und Gärvorgang und erste Feldversuche, so kann man zur Septembereinführung in ausgewählten US-Staaten sagen: Das ging fix.

Bandtechnisch macht man mit Metallica einen ordentlichen Schritt nach oben auf der Popularitätsleiter und tritt die Nachfolge von AB-InBev an, das bereits 2015 eine Bierpartnerschaft zwischen Metallica und Budweiser angeleiert hatte. Das Bier hingegen ist ähnlich. Mit “Enter Night” bezieht sich das natürlich hopfengestopfte Pils auf den ersten Song auf dem Metallica-Album (das Schwarze), nämlich “Enter Sandman”, in dessen Refrain die besagte Zeile vorkommt. Die Dose ist entsprechend schwarz, der Name im Metallica-Stil über dem Kopf von Stone’s Gargyl gedruckt, welcher aus angedeuteten Boxen mit roten Blitzen beschossen wird.

Biertechnisch sind 45 Bittereinheiten für ein Pils schon recht heftig, daher fällt es mit 5,7% Vol. etwas stärker aus. Mehr Alkohol heißt mehr Malz heißt mehr Fülle und etwas mehr Süße, um die Bitterkeit aufzufangen. Das Punk in Drublic hatte 47 Bittereinheiten und 5,8% Vol., auch hier bewegt man sich also klar in ähnlichen Gefilden. Enter Night wird in den USA unter dem Arrogant Brewing Label erscheinen.

In Deutschland spielt das keine Rolle, da Arrogant Bastard Ale und Konsorten hier nicht separat vermarktet werden. Hierzulande kommt das Bier im Frühling auf den Markt. Wie gut es zum Metallica-Whiskey „Blackened“ passt (die Band eröffnet 2019 übrigens die Dave Pickerell Distillery, benannt nach dem im November letzten Jahres überraschend verstorbenen Ex-Maker’s-Mark-Master-Distiller Dave Pickerell, der für die Band den Whiskey kreiert hat), kann man dann probieren. Bleibt nur zu hoffen, dass Metallica mit dem Alter weiser geworden sind, als das bei NOFX der Fall war, und sich nicht zu unvorsichtigen Kommentaren hinreißen lassen.

Wachstum bei den Großen

Viele der großen Biermarken Deutschlands verzeichneten 2018 ein Plus, sowohl im Ausstoß als auch in Umsatz und Profit. Als Hauptverantwortlicher dafür identifiziert wurde bereits der besonders heiße und trockene Sommer. So konnte Veltins trotz erhöhter Preise erstmals den Ausstoß über die Grenze von drei Millionen Hektolitern im Jahr schrauben. Krombacher bleibt einsame Spitze und zieht mit nun 6,3 Mio. Hektolitern (Kernmarke Pils: 4,5 Mio. hl, +2,2%) mit dem 94er Rekord von Warsteiner gleich. Selbst die Sauerländer, arg gebeutelt in den vergangenen Jahrzehnten, können wieder ein wenig aufatmen, neben Wachstum beim Warsteiner Pilsner ist besonders der alkoholfreie Sektor erfolgreich.

Mit allzu viel Optimismus möchte jedoch niemand um sich werfen. Verläuft der nächste Sommer weniger heiß, sinkt der Bierabsatz wieder. Wird er wieder so heiß, steigen die Rohstoffpreise. Moderate Preissteigerungen dürften also auch 2019 anstehen. Dramatisch wird es eher nicht werden, denn wer möchte in einem schrumpfenden Markt schon Anteile verlieren?

Kalorien auf das Etikett

Vorauseilender Gehorsam wird offenbar zur Tugend in Deutschlands Bierindustrie. Bereits die Drink-Responsibly-Kampagne des Deutschen Brauer-Bundes greift letztlich der Befürchtung voraus, dass Alkohol Tabak als Hauptaugenmerk der Gesundheitsgesetzgebung nachfolgt. Ein erstes Anzeichen dafür zeigte das Verbot der Beschreibung von Bier als “bekömmlich”.

Nun regt der Verband der Privaten Brauereien eine Selbstverpflichtung zu Nährwertangaben an. Alkoholische Getränke sind bisher ausgenommen von Angaben zu Kalorien etc., einzig alkoholfreie Biere oder Mischgetränke unter 1,2% Vol. sind bereits dazu verpflichtet.

Da zu erwarten ist, dass eine entsprechende EU-Richtlinie früher oder später kommt, können die Brauereien sich so an den zusätzlichen Aufwand gewöhnen. Analog zur Nichtverwendung von genmanipulierten Rohstoffen handelt es sich zunächst um eine freiwillige Selbstverpflichtung. So ist man vorbereitet, wenn es soweit ist.

Andererseits muss sich die deutsche Bierindustrie im europäischen Vergleich auch nicht verstecken. Sämtliche Zutaten aufzulisten ist nicht in jedem Land Gesetz, nur die Allergene finden sich immer auf dem Etikett. Im Laufe des Jahres soll die neue Kennzeichnung schrittweise eingeführt werden. Nun wär’s nur noch schön, wenn die Gesetzgebung auch die Verwendung von z.B. Farbebier deklarieren ließe.

Gefällt Ihnen dieser Artikel? Vielleicht interessieren Sie sich dann auch für unseren Newsletter?  Oder möchten unsere Arbeit durch den Kauf einer unserer Print-Ausgaben unterstützen?  Hier können Sie Printausgaben bestellen. 

Photo Credit:  Stone Brewing

WRITE A COMMENT