Was gärt? XXIV– Neue Biergastronomien in Berlin, Köln und Hamburg; Budweiser und Carlsberg; Sierra Nevada und Waldbrände in Kalifornien

Was gärt? XXIV– Neue Biergastronomien in Berlin, Köln und Hamburg; Budweiser und Carlsberg; Sierra Nevada und Waldbrände in Kalifornien

Neu, neu, neu. Gleich drei neue Biergastronomien in Deutschlands Großstädten Nummer 1, 2 und 4 haben wir diesmal zu bieten, darunter die Birreria in Köln! Doch zunächst geht es um Budweiser im Vertrieb von Carlsberg und um bierbedrohliche Waldbrände bei Sierra Nevada.

Neuer Tscheche – Budweiser und Carlsberg

Im August wanderte die Prager Biermarke Staropramen, im Besitz von Molson Coors, in Deutschland bis dahin jedoch von Carlsberg vertrieben, in die Distribution von gdp Global Drinks Partnership (u.a. Fever Tree, Crew Republic). Seitdem sucht Carlsberg (in Deutschland neben der Kernmarke vor allem durch Holsten, Astra, Lübzer und Duckstein vertreten) nach einer neuen Traditionsbrauerei aus Böhmen, mit der man auf dem deutschen Markt Fuß fassen kann.

Dies ist nun gelungen, und mit Ausnahme von Pilsener Urquell hätte man wohl kaum eine renommiertere Brauerei gewinnen können als Budweiser Budvar. Die tschechische Staatsbrauerei aus České Budějovice kann seit der Öffnung des Ostblocks auf eine echte Erfolgsgeschichte zurückblicken. Über 1,6 Millionen Hektoliter braut die seit 123 Jahren bestehende Brauerei inzwischen, weiterhin streng nach Reinheitsgebot. In Deutschland genießt das Budweiser Bier einen guten Ruf. Zudem profitiert man vom Underdog-Image, denn der Zankapfel der größten, amerikanischen Biermarke Anheuser-Busch und deren Budweiser zu sein, hilft beim Sammeln von Sympathien. Dieser Rechtsstreit von globalem Format dreht sich letztlich darum, ob Anheuser-Busch durch seine zweifelsohne größeren Investitionen in den Markennamen ein alleiniges Anrecht darauf hat.

Historisch gesehen erschien das Ganze natürlich lächerlich, bediente sich doch Firmengründer Adolphus Busch schamlos beim Original, als er seine US-Marke gründete. Doch 2014 kaufte Anheuser-Busch die Marke Budweiser Bürgerbräu, einst von deutschen Einwohnern von Budweis gegründet, und verhalf so den eigenen Ansprüchen zu mehr Durchschlagskraft. Carlsberg möchte nun dem tschechischen Budweiser zu mehr Präsenz in der deutschen Gastronomie verhelfen.

Neuer Anfang – Sierra Nevada und die Waldbrände

Während man in den Nachrichten hören muss, wie die Villen verschiedener Stars und Sternchen abgebrannt sind, werden auch Brauereien von den Flächenbränden in Kalifornien nicht verschont.
Sierra Nevada besitzt eine Brauerei in Chico, ca. zwei Autostunden nördlich von Sacramento, mitten im geplagten Gebiet. Die Brauerei, besonders bekannt durch das Cascade-Hopfen-Paradebeispiel Sierra Nevada Pale Ale und das Torpedo IPA, benannt nach einem extra fürs Hopfenstopfen entwickelten Braugerät, war für mehrere Tage geschlossen.

Inzwischen ist das Schlimmste überstanden, doch die Brauerei nimmt die Bedrohung – als auch die zahlreichen Hilfsangebote – als ein Zeichen der Zeit und hat mit dem Camp Fire Relief Fund einen Hilfsfond ins Leben gerufen und selbst 100.000 USD beigesteuert. Die Spendeneinnahmen werden auf Hilfsorganisationen verteilt. Zudem bietet Sierra Nevada im Brauereirestaurant momentan kostenlose Mahlzeiten für die Hilfskräfte sowie Leute an, die ihre Häuser und Wohnungen verloren haben. Ob Thomas Gottschalk auch auf ein Bierchen vorbei kommt?

Neue Brauerei – Astra St. Pauli braut im Kiez

Und nochmals Carlsberg: Am 29. November soll nach einem Dreivierteljahr Verzögerung endlich die Astra-Kiezbrauerei an der Reeperbahn auf St. Pauli eröffnen. Die 760 Quadratmeter große Gastronomie soll 200 Gästen Platz bieten und Künstlern aus dem Kiez die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren.

Mit dabei ist eine moderne, aber für Holsten-Verhältnisse kleine Brauanlage, die 1.400 Hektoliter pro Jahr ausstoßen soll. Auf Craft-Hype möchte man bewusst verzichten. Wie einfach das bei zehn Zapfhähnen wird, und ob sich bei all den internationalen Gästen im Szenekiez nicht doch mal ein IPA oder Pale Ale in die Rotation schleicht, bleibt abzuwarten. Zwei Hähne gehören natürlich dem Urtyp und dem Rotlicht, aus den anderen sollen lokale Versuche mit Astra-Einschlag fließen. Was auch immer das heißt. Kellerbier, Weißbier, Rotbier, Schwarzbier, Bockbier … die Möglichkeiten, den craftig belegten Stilen auszuweichen, hat Brauer Jan Koch sicherlich. Ansonsten gibt es klassische Hipsterkost, sowohl in der Stein-Holz-Retro-Optik, als auch auf der Speisekarte, denn diese wird lokale Spezialitäten wie Labskaus mit Dauerbrennern wie Steak oder Currywurst verbinden.

Neue Bierbotschaft – Birreria Duexer Botschaft in der Kölner Innenstadt

Auch Köln hat eine neue Biergastronomie. Düx bezeichnet eigentlich den rechtsrheinischen Stadtteil Köln-Deutz. Deshalb ist die linksrheinisch gelegene Gasthausbrauerei wahrscheinlich eine Botschaft. Das Konzept Pizza und Hausgebrautes kennt man ja bereits vom Überquell in Hamburg, doch die Birreria erweitert das italienische Speiseangebot beträchtlich.

Auch die Bierkarte kann sich sehen lassen, denn neben den Eigenkreationen (darunter natürlich ein Kölsch, aber auch ein Pils und ein Red Ale), haben Brauer Ben Ott und Biersommelier Michael Müller eine sehr bewusste Auswahl zusammengestellt: Moritz Fiege, Hirschbräu aus Alms, Vulkan, Mashsee und mehr. In der Birreria wirkt nichts zufällig, und kaum etwas wie ein Lückenfüller (außer vielleicht das Krombacher auf der Speisekarte). Na dann: Opmaache un geneesse. Bei ganzwöchiger Öffnungszeit in Köln sicherlich kein Problem.

Neue Eule – Schneeeule-Gastronomie in Spandau

Hier ist noch nichts spruchreif, und wir alle wissen ja, wie zügig Bauarbeiten in Berlin vorangehen können, aber dennoch: Idyllisch am Wasser, zwischen Zitadelle Spandau und dem Rent-a-Brewery-Konzept Craft-Zentrum, eine frisch-säuerliche Berliner Weisse genießen, gebraut mit aus alten Weisseflaschen isolierten und rekultivierten Mischkulturen – das hätte doch was.

Die Schneeeule Brauerei hat sich mit Persönlichkeit, minimalistischem Design und charakterstarken Bieren schnell Freunde in ganz Europa gemacht, obwohl der Ausstoß absolut minimal ist. Sucht jemand nach einer original Berliner Weisse, ohne Sirup-Firlefanz, wird meist auf die Marlene mit dem grünen Etikett und der weißen Eule gezeigt. Hinzu kommen aktuell Kollaborationen mit renommierten Brauern wie Brekeriet aus Schweden oder Stone Brewing aus Berlin. Insofern kann man einer echten Berliner-Weisse-Gastronomie nur entgegen fiebern, denn das hat es in Berlin seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.

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Photo Credits: Shuttertsock

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