Neue Hopfensorten und -aromen warten auf den Durchbruch

Neue Hopfensorten und -aromen warten auf den Durchbruch

Sie klingen wie Science-Ficton-Raumschiffe: Callista, Cardinal, Horizon, Legacy, Meridian, Souveregein, Vanguard, doch statt Sternen funkelt die Schaumkrone: Es sind neue Hopfensorten, die mit illustren Namen und neuen Aromen auf den Markt drängen.

Im Gegensatz zu ihren Namensvettern brauchen die Hopfensorten viel länger, um – im Braukessel wie beim Kunden – anzukommen.
Biertrends entwickeln sich zwar sprichwörtlich in Lichtgeschwindigkeit. Doch Hopfen wächst in seiner ganz eigenen gemächlichen Geschwindigkeit in die Köpfe und Kessel der Brauer. Bis es neue Hopfensorten in die Topliga schaffen, kann es Jahre dauern – und das Risiko ist groß. Hopfenbauern müssen auf die Nachfrage von Brauereien reagieren, die wiederum den End verbrauchern entgegenkommenwollen. Leider ist der allgemeine Biertrinker jedoch ein wankelmütiger und selten berechenbarer Abnehmer. Bei jedem kostbaren Hektar Land stellt sich der Hopfenbauer also die Frage, ob er diesen wirklich einem Hopfen widmet, dessen Trendchancen so gar nicht absehbar sind. Bis zur vollständigen Entwicklung einer neuen Hopfensorte kann es zehn oder mehr Jahre dauern. Darauf folgen weitere zehn Jahre, bis ein vielversprechender Hopfen genügend Züchter, Brauer und Kunden überzeugt hat. Citra etwa gibt es seit 2007,
ist aber erst seit Kurzem für deutsche Brauereien verfügbar. Mosaic, der seit 2012 auf dem Markt ist, holt gerade ein bisschen auf.
Doch: So zeitintensiv Entwicklung und Anbau auch sein mögen, schmälert das keineswegs die Begeisterung der Brauer für neue Sorten und Aromen. Gelungen aromatisierte Hopfen sind der Warp-Antrieb der Kreativbrauer. Gestern war es Cascade, heute sind es Citra und Mosaic.

Neue Hopfensorten: Was bringt die Zukunft?

Wer einen Blick in die Zukunft möchte – und wenn wir eine weitere Science-Fiction-Analogie bedienen, dann gibt es viele davon –, dem seien Biermessen ans Herz gelegt. Die BrauBeviale in Nürnberg ist eine davon. Inspirierente Hopfenbauern und -lieferanten präsentieren hier sowohl klassische als auch brandneue Sorten. Teils lassen sich die neuen Hopfen auch im fertigen Bier verkosten. Bei der Craft Brewers Conference in Nashville standen die Besucher bei der Barth Haas Group förmlich Schlange. Das ausgeschenkte Bier wurde extra gebraut, um den neuen Aromahopfen Sabro zu präsentieren.

Barth Haas betreibt eine kleine Brauerei im Haas Innovations Center in Yakima, Washington. Hier werden unter anderem Biere extra dafür gebraut, das Potenzial verschiedener Hopfen zu testen. Das beliebteste Bier auf der Conference in Nashville war ein Sabro IPA, das mit den verschiedenen Aromenseines namengebenden Hopfens begeisterte. »Unter den neuesten Hopfen spielt Sabro definitiv eine Schlüsselrolle«, sagt Stan Hieronymous. Er ist Autor von For the Love of Hops (Grundlektüre der US Brewers Association).

»Wenn das so weitergeht, spielt Sabro irgendwann in derselben Ligawie Mosaic und Ekuanot.«

Das experimentelle Sabro IPA (HBC 438 alias »Ron Mexico«) erinnert geschmacklich an Kokosnuss, Ananas, Minze und Sahne. Gut vorstellbar, dass in den kommenden Jahren weitere New- England-IPAs diesen Faden aufnehmen. Auch einige europäische Brauereien haben kürzlich Sabro-Biere veröffentlicht, darunter die Hamburger Brauerei Kehrwieder. Deren SHIPA Sabro – ein einfach gehopftes IPA – erschien im Juni. Kehrwieder-Gründer Oliver Wesseloh möchte mit der SHIPA-Serie seinen Kunden verschiedene Hopfen vorstellen. »Diese Serie ist mein eigenes kleines Forschungslabor «, sagt Wesseloh. »Ich kann unter gleichbleibenden Bedingungen einen perfekten Eindruck von der jeweiligen Hopfensorte gewinnen.« Als er vom »ausgeprägten Kokosnussaroma« von Sabro hörte, musste Wesseloh den Hopfen einfach bestellen. »Ich bin absoluter Fan von der schönen Limettennote und dem klaren Kokosaroma.«

Ein weiterer neuer Hopfen, der in Nashville vorgestellt wurde, ist die Sorte Strata. Der Hopfen wurde im Aroma Hops Breeding Program der Oregon State University entwickelt und überzeugt mit einem vielschichtigen Aroma aus Erdbeere, Grapefruit, Mango und anderen tropischen Noten. Gelungen fängt ein helles, hopfiges Ale namens Strata Gold aus dem Crux Fermentation Project der Oregon Brewery diese Flavours ein.

Der Hopfenmarkt ist ein globaler, und das schon seit mehreren Jahrhunderten. Dank internationalen Händlern wie Barth Haas und Charles Faram können Brauereien aus einem vorzeigbaren Angebot aus aller Welt wählen. Andreas Gänsstalleretwa, der in seiner fränkischen Brauerei eher traditionell arbeitet, hat sein Weißbier mit einem neuen Hopfen aus Washington aufgepeppt. Seine GansWeisse braut Gänstaller mit einem Hopfen von Jaryllo, dessen tropische und bananige Noten das traditionelle Hefeweizen geschmacklich überraschend untermalen.
»Ich wollte ein Weizen brauen, das anders ist«, erklärt Gänsstaller. »Mit einer schönen, leicht bitteren Hopfennote im Nachtrunk. Für Jaryllo habe ich mich wegen seiner leicht bananigen und tropischen Noten entschieden. Ich wollte ein ›Craft Beer‹, das trotzdem klar als Weizen zu erkennen ist.« Immer mehr neue Hopfensorten werden von privaten Unternehmen patentiert. Es ist ein kleines Glücksspiel, in dem der neue Trendhopfen den Hauptgewinn erzielt. Dazu gehören ein ansprechender Name und eine verlockende Beschreibung.
»Intensive Erdbeere mit Zitrus, Melone und frischer Grapefruit«, preist etwa eine Broschüre die Hopfensorte Belma aus Washington an.
Wenn diese Beschreibungen bei Brauern für Interesse sorgen, tun sie das in ein paar Jahren vielleicht auch beim Kunden.

Neue deutsche Hopfenwelle

Im Jahr 2012 launchte das bayerische  Hüll wieder ein paar neue Hopfensorten, von denen man sich viel versprach, darunter Mandarina Bavaria, Hüll Melon und Hallertau Blanc. Sie alle sollten die Nachfolge des würzig- fruchtigen Erfolgshopfens Saphir antreten, der schon zehn Jahre früher herausgebracht wurde.Nun entwickelt Hüll mindestens zwei neue Sorten, die ein noch größeres Aromapotenzial haben sollen. Im Gegensatz zu vielen anderen neuen Hopfen ist dabei nicht das Ziel, die bitteren Alphasäuren zu erhöhen, sondern die aromatische Verbindung Linalool herauszuarbeiten. Nun hat die Forschung die zwei neuen Hopfensorten 89/25 und 94/24 mit besonders intensiven floralen Aromen entwickelt. Bisher war offensichtlich noch keine Zeit, einen sexy Raumschiffnamen zu erfinden. Nach einigen Tests und Bierblindverkostungen haben die Forscher schlussendlich 89/25 zum Patent angemeldet. Wenn man darüber nachdenkt, wäre Sexy Starship doch ein perfekter Name für eine neue Hopfensorte. Mit freundlicher Empfehlung an die innovativen Damen und Herren von Hüll. Gern geschehen.

Dieser Artikels erschien erstmals in der Print-Ausgabe 3-2018 von BIER, BARS & BRAUER. Gefällt Ihnen dieser Artikel? Vielleicht interessieren Sie sich dann auch für unseren Newsletter? Oder möchten unsere Arbeit durch den Kauf einer unserer Print-Ausgaben unterstützen?  Hier können Sie die Printausgabe bestellen. 

Photo Credits:Barthaasgroup.com Übersetzerin: Marianne J.Strauss

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