Neues Bierlabel: BrewHeart will erstmal Online punkten

Neues Bierlabel: BrewHeart will erstmal Online punkten

Finale! In weniger als drei Wochen will das süddeutsche Bierlabel BrewHeart an den Start gehen. Anfangs ausschließlich mit einem Online-Shop, werden Andreas Erfurt und Roland Müller mit ihren Kreativbieren erst im zweiten Schritt offline präsent sein. Wir haben uns mit den beiden über ihre Strategie unterhalten und gefragt: Was unterscheidet euch von der Vielzahl anderer Kuckucksbrauer?

BrewHeart, das ist die Geschichte zweier Freunde, die über Umwege zum Bier finden und ihr eigenes Bierlabel gründen. Andreas Erfurt und Roland Müller kennen sich seit mehr als 15 Jahren; sie eint die Faszination für US-Cars. Und für Kreativbiere. Andreas (50), der Homebrewer im Team, kommt 2017 an einen Wendepunkt in seinem Leben. Der IT-ler hat Bock auf Neues, gemeinsam mit Roland (47) beschließt er Anfang 2018, das Label BrewHeart zu gründen. Roland, derzeit Geschäftsführer einer Firma für Brennöfen, behält seinen Job und wird stiller Teilhaber. Andreas aber setzt alles auf eine Karte. Er glaubt an seine Idee und will die Mission für die Biervielfalt in seiner Heimatregion im oberbayrischen Wolfratshausen vorantreiben. In drei Wochen geht BrewHeart an den Start.

Schöne Story. Bekannte Story. Die Geschichte vom mutigen Homebrewer mit eigenem Bierbusiness ist wahrlich keine neue – und gerade deshalb spannend. Denn bei aller Bier-Begeisterung und Hopfenromantik liegt die Frage auf der Hand: Wie viele Mikrobrauer verträgt der Markt? Oder besser: Was müssen Kuckucksbrauer wie die BrewHeart-Boys mitbringen, um erfolgreich zu agieren?

Warum trinkt man Bier aus Maßkrügen? Nicht weil’s schmeckt …

Abgefreakte Biere und besondere Bierstile sind laut Roland und Andreas kein Mittel zum Erfolg. Im Gegenteil. „Wir wollen die Leute nicht verschrecken und setzen auf konventionelle, amerikanisch geprägte Bierstile, die wir in Hartmannsdorf nach unseren Rezepten brauen lassen“, sagt Andreas. „Wir werden mit einem IPA, einem APA und einem alkoholfreien Bier starten. Unsere Zielgruppe wird nicht der geübte Craft Beer-Trinker sein, sondern der Einsteiger. Denn seien wir mal ehrlich: Auf acht Bier-Experten, die gezielt in den Stores einkaufen, kommen 800 unerfahrene Biertrinker außerhalb der Szene.“

Es ist die breite Masse, die die Jungs mit ihren Bieren ansprechen wollen. Da ist auch der Launch eines alkoholfreien Bieres nur konsequent, zumal das Thema immer präsenter und von immer mehr Brauereien aufgegriffen wird. Geschmack braucht eben nicht zwingend Alkohol. „Hier in Bayern gibt es vermehrt Wirkungstrinker“, sagt Roland, sein bajuwarischer Dialekt zeigt, der Rosenheimer kennt die Gegend und weiß, wovon er spricht. „Ich meine, warum trinkt man Bier aus einem Maßkrug? Doch nicht, weil es schmeckt. Ich habe einem Freund bei einer Party mal ein alkoholfreies, handgemachtes Bier untergemogelt. Der war begeistert. Das ist der Beweis: Die Leute brauchen nicht primär Alkohol. Sie brauchen Geschmack. Und bitte nicht den von langweiligen Hellen oder austauschbaren Weizen.“

Da ist noch viel Platz für die Biermission in Süddeutschland. „Wir sind hier nicht so weit wie in Berlin oder Hamburg“, sagt Andreas. Das sehen sie als Vorteil. Neben dem regionalen Vertrieb über die Gastronomie und in den Stores wollen die beiden BrewHeart-ler auch in Düsseldorf Fuß fassen. Hier lebt Andreas‘ Freundin, das ist seine zweite Heimat. „Klassisches Alt-Land“, sagt er. Auch da sieht er in Sachen Biervielfalt Luft nach oben.

Gefällige Biere für Alle. Reicht das zum Start?

BrewHeart-Biere wollen mit hoher Drinkability im Handel punkten. Klingt logisch. Aber mit dieser Idee sind die Jungs wahrlich nicht alleine. Den Satz: „Unsere Biere sollen nicht verschrecken“ hört man oft, wenn es um die Beschreibung von Braustilen geht. Der Ansatz mag stimmig sein, ein Alleinstellungsmerkmal ist er definitiv nicht. Die Frage drängt sich auf: Was unterscheidet BrewHeart von den Mitbewerbern? „Ganz klar“, sagt Andreas. „Der Marken-Aufbau. Wir drehen das gängige Prozedere einfach um.“

BrewHeart-Biere wird es zu Beginn nämlich ausschließlich im eigenen Online-Shop geben. Erst im zweiten Schritt, ab Mitte August, wird es ihre Biere mit prägnanten Titeln wie Dr. No in Stores und an der Theke geben. „Wir waren quasi zu diesem Schritt gezwungen“, sagt Andreas. „Wir testeten alle Rezepte daheim auf meiner 20 Liter-Anlage. Das war zu wenig, um damit vor dem Launch Vertriebsstellen zu akquirieren. Um richtig auf den Markt zu gehen, brauchten wir also mehr Kapazitäten.“

Die haben sie im Brauhaus Hartmannsdorf gefunden. Hier produzieren sie derzeit insgesamt 250 hl Bier; 100 hl Pale Ale, 100 hl IPA und 50 hl Alkoholfreies. Parallel bastelt Andreas an der Außenwirkung: Logo und Merchandising stehen, die Kommunikation über Social Media läuft. Roland, oder Dr. Müller, wie ihn Andreas nennt, prüft derweil die Business-Pläne. Er ist der Herr der Zahlen, Andreas der Mann fürs operative Geschäft. Dank Roland ist das finanzielle Risiko der beiden kalkulierbar. Sie arbeiten nur mit Eigenkapital. Die laufenden Kosten sind überschaubar: Miete für die Lagerhalle, Telefon, Strom, Brauen.

„Gerade, weil wir eben keine eigene Brauerei haben, und auch nur ein Geschäftsführer-Gehalt zahlen müssen, können wir kostentechnisch flexibel agieren“, sagt er. Der Mann hat als Unternehmensberater gearbeitet und zwei Firmen gegründet; er weiß, wie Insolvenzen sich ankündigen und was passieren kann, wenn Banken mit ins Spiel kommen. „Wir würden das Spiel sofort stoppen, wenn wir Fremdkapital aufnehmen müssten.“

BrewHeartKein Erfolg ohne gutes Marketing

Aber noch befinden wir uns ganz am Start der Geschichte: BrewHeart steht kurz vor der Abfüllung. Nur einzelnen Hopfensorten würde man noch hinterher jagen, so Andreas. Ende Juli wird der BrewHeart-Online Store ans Netz gehen und ihr Bier das Licht der Welt erblicken. Von dem digitalen Geschäft versprechen sich die Gründer sehr viel.

Doch wie verkauft man eine sensitive Sache wie Bier im Internet, ohne dass die Marke als solche bekannt wäre? Wie wollen sie BrewHeart mit Inhalt füllen, ohne diesen flaschenweise in Stores zu präsentieren? „Spannende Sache“, sagt Andreas. „Das weiß ich auch nicht.“ Er lacht. Und fügt erfrischend ehrlich hinzu: „Ehrlich: Wir bilden uns nicht ein, Braumeister zu sein. Wir arbeiten auf Dr. Oetker-Niveau. Wir machen handwerklich gute, leckere Biere. Das können wir. Und was wir noch können, ist digitales Marketing und Brand Activation. Das unterscheidet uns von den anderen. Das ist neben unserem aufgeräumten, modernen Logo unser eigentliches Alleinstellungsmerkmal.“ Gründlich haben sie im Vorfeld recherchiert. Und festgestellt: „Die meisten Brauereien machen ihr Social Media-Geschäft nur nebenbei. Hier mal eine Story, da mal ein Post. Es fehlt die Kontinuität und die Kreativität. Die bringen wir mit. Da arbeiten wir anders.“

Am Ende geht’s beim Bier um den Geschmack

Digitales Marketing als Alleinstellungsmerkmal. Das klingt technisch und erstaunlich leidenschaftsfrei. Roland schaltet sich ein. „Wir glauben an unsere Idee. Wir haben von so vielen Testtrinkern in unserem Bekanntenkreis positives Feedback erhalten. Das klappt.“ Er macht eine kurze Pause und fügt dann mit kämpferischen Unterton in der Stimme zu: „Wenn du selber nicht einhundertprozentig von deiner Idee begeistert bist, musst du gar nicht erst loslaufen.“

Stimmt. Eine Portion gesundes Selbstbewusstsein gehört zum Gründen dazu. Zähigkeit und die Begeisterung für die eigene Idee. Und mit Sicherheit hilft eine stringente Kommunikation beim Markteintritt. BrewHeart verfolgt hier eine konsequente Strategie, auch wenn ihre Zahlen zum jetzigen Zeitpunkt ausbaufähig sind: Auf Instagram folgen ihnen rund 215, auf Facebook knapp 160 Fans. Da geht noch was. Dennoch, eines steht fest: Am Ende entscheidet beim Kreativbier immer der Geschmack. Da müssen die Jungs abliefern. Denn wen du beim ersten Schluck enttäuschst, der kommt nicht wieder. In drei Wochen wissen wir mehr.

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Photo Credit: BrewHeart

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