Wejwar schäumt: Abstand halten!

Meinung Wejwar schäumt: Abstand halten!

Richtig Bier zapfen ist nicht schwer. Dennoch kommen mehr als 90 Prozent aller in der Gastronomie ausgeschenkten Fassbiere fehlerhaft ins Glas. Das haben Recherchen des Autors ergeben. Sepp Wejwar sitzt am Tresen und schäumt vor Ärger.

Zumindest ein Fehler wird beim Bier zapfen regelmäßig gemacht. Es ragt der Zapfhahn in die bierige Flüssigkeit hinein. Und das ist eklig. Mikroben vermehren sich auf diese Weise nämlich exponentiell. Bier ist eine nahrhafte Flüssigkeit und so verwandelt man den Zapfhahn bei Zimmertemperatur innerhalb von Minuten in eine Bakterienschleuder. Und das ist nun wirklich nicht erstrebenswert.

Die Mikroben verändern den Geruch und den Geschmack des Bieres. Es kann unangenehm säuerlich werden – wobei das Bier in diesem Stadium nichts mit einem guten Sauerbier zu tun hat. Ein besonderer Freund dieses wenig ehrwürdigen Sauerbieres ist der Pedioccocus Damnosus.

Er gehört zu den Lactobazillen, erzeugt einen buttrigen Fehlton und trübt nicht nur den Genuss, sondern auch eine ehedem strahlend klare Flüssigkeit, beherbergte der Hahn beispielsweise ein Pils. Die winzigen Lebewesen in Milliardenstärke machen das Bier schlichtweg leider nicht lebendiger, im Gegenteil. Es wird stumpf und verliert seine Frische.

Außerdem wird beim Bier zapfen mit dem Hahn in der Flüssigkeit jene Luft, die sich in der Auslauftülle des Zapfhahnes befindet, in die Flüssigkeit gepumpt. Dadurch verringert sich die „Rezenz“, also jenes Frische-Prickeln, welches mit dazu beiträgt, dass kühles Bier so heiß begehrt ist. Und dass die französische Schöfferhofer-Lady es so mochte, als Harald ihr Bier in den Bauchnabel kippte.

Richtig Bier zapfen mit Abstand

Also, liebe Zapferinnen und Zapfer, haltet Abstand zwischen Hahn und Bierspiegel, es genügen ja schon ein paar Zentimeter! Die meisten Fehler basieren auf Eile und Hast, oftmals geht es ja auch wirklich schneller, mal einen Schritt auszulassen. In diesem Falle allerdings, spart ihr nicht eine Sekunde.

Richtig Bier Zapfen erfordert Abstand. Und tatsächlich dauert ein richtig (weil mit Abstand) gezapftes Bier keine Sekunde länger, als ein fehlerbehaftetes. Dafür sieht es auch noch besser aus und schmeckt besser.

Oft ist Unwissen für diesen und auch andere Zapf-Fehler verantwortlich. Unwissen lässt sich in der Regel jedoch beheben. Was mich aber wirklich vor Wut zum Schäumen bringt, ist, wenn Besserwisserei oder Gleichgültigkeit dahinter stecken. Dabei ist richtig Bier zapfen überhaupt nicht schwer.

Jüngst musste ich mir ein Facebook-Video ansehen, in dem gezeigt wird, wie man angeblich zapft: Der Hahn stak so tief im Bier, wie der Teufel im Detail, es war schlichtweg grauenhaft. Das ist ungefähr so gewandt, wie ein Tutorial über das Schraubendrehen zu drehen und dann mit einem Hammer auf die Schraube einzuschlagen. Nein, eigentlich ist es noch viel dümmer – immerhin ist die eingeschlagene Schraube keine Bakterien-Schleuder.

Und zum Schluss, denn nun habe ich mir ohnehin schon Freunde genug gemacht: Der Zapfhahn muss täglich fachmännisch gereinigt werden – mit Spritze oder Spülball. Auch wenn man richtig, also mit Abstand, zapft.

Ein frisch und vor allem richtig gezapftes Bier schmeckt himmlisch, gerade in diesen heißen Julitagen. Zerstört beim Bier zapfen das köstliche Getränk bitte nie wieder auf den letzten Metern! Es ist einfach zu traurig.

One comment

  1. sabine
    30. Mai 2018 reply

    Hi Sepp,
    ja der Hahn nix im Bier verloren!! Mich kotzt auch an – wie die …“frachkräfte“ zapfen.
    danke, dass du das klarstellst.

    lg aus spessart

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