Was gärt? Pt. I – Aprilscherz oder Fakt

Was gärt? Pt. I – Aprilscherz oder Fakt

Ein Aprilscherz ist auf dem Dorf, wo man ihren Wahrheitsgehalt dank schlechter Internetverbindung nicht googeln kann, deutlich besser aufgehoben. Aber auch „die Bierwelt ist ein Dorf. Und in ihr wird getratscht wie in einem Dorf.“ Das sagte einmal ein guter Bekannter über die Klein- und Kreativbrauerszene. Tratschen wollen wir hier gar nicht. Wir schauen uns nur einmal um… in diesem Dorf. 

Denn manchmal verbirgt sich hinter dem Buschgeflüster feste Absicht, wird aus einer kompletten Schnapsidee in Bierlaune eine komplett übergeschnappte Bieridee, die Laune macht.
Oder aber es lohnt sich, in der Gerüchteküche einmal zu grundreinigen. Nicht jeder Mythos, der sich hartnäckig hält, hat einen wahren Kern.
Insofern haben die Meldungen, die hier präsentiert werden sollen, keinen Anspruch darauf, Fakten zu sein. Sie sind unterhaltsames Buschgeflüster über Bier, aus dem etwas werden kann, aber keinesfalls muss. Es gärt und blubbert lebhaft, braucht aber noch etwas Reifezeit, bis es bierernst wird.

Bierbrand-Trend

Die Verbrüderung von Brauer und Brenner ist beileibe keine neue Erfindung, aber mit dem Aufleben intensiver und ungewöhnlicher Aromen im Bier wird auch die Idee, dieses Bier brennen zu lassen, wieder interessanter.
HansCraft aus Aschaffenburg machte mit dem Saison Julie Eau de Vie de Bière-Destillat nicht nur den Mund voll mit französischer Vokabeln, sondern auch erste Schritte im Spirituosenbereich. Das Problem mit Bierdestillaten ist allerdings, dass es Destillate sind. Allzu viel von der feinen Aromatik überlebt das Brennen nicht. Hört man nun also die beiden Gründer der Braukunst Gebrüder Wiestner vorsichtig bei der Spreewood Distillers anfragen, wie es denn mit einem Brand ihres Lucky Lup IPA aussähe, stellt sich unweigerlich die Frage, ob die fein-fruchtige Hopfenaromatik des milden, aber sehr trinkbaren IPAs auf einen Brand nicht verschwendet wäre. Alternativ holt man sich diese als Mazerat zurück, Hopfenvodkas gibt es ja inzwischen auch. IPA Gin, anyone?

Holy Crowl!

Kennen Sie Crowler? Klar, denkt der eingefleischte Bierfan! Große Bierkaraffen, die man sich direkt in der Brauerei oder im Bierladen abfüllen lässt, um Fassbier mit nach Hause nehmen zu können. Schreibt man übrigens mit „G“, Herr Redaktör!
Nein, Crowler sind gemeint. Can Growler, Dosensiphons sozusagen. Während in Deutschland die Glasgrowler noch immer einen schweren Stand haben und Dosen ohnehin die diskriminierten Weißbleche darstellen, zapft man in den USA mutig in große 32 Flüssigunzen-Dosen (946ml). Nicht mehr nur „Literfaxen“ an der Tanke machen, sowohl Oskar Blues Brewery (die Erstsünder im Dosenbereich für ihr Dale’s Pale Ale, hier ebenfalls in Zusammenarbeit mit Ball Packaging) als auch Dixie Canner haben recht handliche Systeme für die Theke entwickelt. Das Bier wird frisch abgefüllt und luft- und lichtdicht verschlossen. Dadurch erhöht sich die Haltbarkeit des Bieres auf etwa einen Monat, gegenüber der Woche, die man bei Glasgrowlern hat. Auch hier macht die Technik schnelle Fortschritte, die völlige Abdichtung und vor allem Leichtigkeit einer Dose (so ein voller Growler ist ein Fitnessgerät) wird man allerdings nie erreichen. In den USA längst kein Aprilscherz mehr, steht die Frage, ob auch bei uns in Bälde herumgecrowlt wird, noch in den Sternen.

Neue Bierbars für Berlin

Die Hauptstadt ist bekanntlich das einzige Pflaster, welches gleichzeitig Dutzende Craft Beer Bars unterhalten kann. Weder in Hamburg noch in München, noch an Rhein und Ruhr sind so viele Gastronomen der Meinung, sich mit Biervielfalt durchsetzen zu können. Mit dem Eintritt bereits erprobter, internationaler Marken in den deutschen Markt wird auch dieses Pflaster rauer, denn auch mit der Finanzkraft dieser Marken können mutige Gastro-Hipster selten mithalten. BrewDog läuft, und kündigte ja eigentlich schon zur Eröffnung von „BrewDog Berlin-Mitte“ im Namen an, dass weitere Filialen folgen sollen. Gerüchten zufolge als Brewpub, also mit kleiner Hausbrauerei. Wo? Berlin und Hamburg. Wann? When it’s done! Wer sich an die Odyssee der ersten Bar erinnern kann weiß, dass Bar Manager Dean Pugh nichts überstürzen und auf das richtige Objekt warten wird – selbst, wenn dieses erst gebaut werden muss.
Auch zu Stone Brewing hört man immer wieder, dass ein Ausschank im Stadtzentrum auf dem Plan stünde. Die Suche nach einer Location gestaltet sich hier aber mit Sicherheit nicht einfacher, denn genau wie BrewDog ist Stone nicht einfach zufrieden zu stellen, wenn es um Gastro-Objekte geht.

Gelungener Aprilscherz zum Totlachen – in Kopfstimme

Es ist jetzt drei Jahre her, dass Stone Brewing (crHeam) und Samuel Adams (HeliYUM) unabhängig voneinander auf YouTube ein Bier ankündigten, welches mit Helium versetzt sein sollte. Nach Genuss sprachen sowohl Mitch Steele von Stone als auch Jim Koch von der Boston Brewing Company in Chipmunks-Höhen. Vielleicht war es der Wille dieser Ikonen der Bier-Renaissance in den USA, sich für einen Scherz herzugeben, der dem Ganzen so viel Glaubwürdigkeit verlieh? Vielleicht waren es auch die YouTube-Biertester, die ein Jahr später den Spaß wiederholten, die sich für die Langlebigkeit verantwortlich zeichnen? Sicherlich half auch die Tatsache, dass nicht jeder am ersten April bei YouTube vorbei schaut, und dem Datum der Veröffentlichung in der Folge wenig Aufmerksamkeit schenkt.

Doch immer noch fragen Leute danach, wo sie dieses Bier beziehen können. Einer der erfolgreichsten Aprilscherze der Bierwelt geht langsam an die Nerven. Es war lustig. Lasst ihn uns zu Grabe tragen, bevor daraus ein Internet Meme wird.

Helium ist nicht wasserlöslich. Man kann es nicht unter Druck in die Flüssigkeit pressen, wie es bei Kohlensäure gemacht wird. Es verflüssigt sich erst bei -140°C, auch Zusammenkippen in Flüssigform wird also nichts, außer man hat Interesse an einem Gushing-Eisblock.

Allerdings wünsche ich mir für nächstes Jahr einen ebenso gelungenen Scherz. Bier aus Vaginalhefen war ja leider keiner.

Fotocredits via Tim Klöcker

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