Was Gärt XXIX – Brlo übernimmt Craft Zentrum, Fuller’s geht an Asahi, Von Freude will IPA

Was Gärt XXIX – Brlo übernimmt Craft Zentrum, Fuller’s geht an Asahi, Von Freude will IPA

Das neue Jahr nimmt Schwung auf, und sowohl international als auch lokal gab es spannende Entwicklung: Brlo übernimmt das Craft Zentrum, Fuller’s verkauft an Asahi, der US-Regierungs-Shutdown bedroht Kleinbrauer und Von Freude in Hamburg hat einen neuen Geschäftsführer. Bunt und spannend, Groß und Klein. Auf geht’s!

Fuller’s Brauerei geht an Asahi

Die Leier kennt man ja inzwischen – zunehmende Konkurrenz macht das Biergeschäft schwieriger, Druck von den Kleinen und den Großen, dann kommt die Offerte des Konzerns, internationale Wachstumsmöglichkeiten und Markenpräsenz, verbesserte Vertriebsstrukturen und so weiter.

Nur erwischte es Ende Januar nicht erneut eine der zahlreichen, jungen Kreativbrauereien Londons, sondern einen alten Hasen: Fuller, Smith & Turner plc verkauft seine Brauabteilung an Asahi, und damit auch bekannte Marken wie London Pride, London Porter oder ESB (Extra Special Bitter), einen Stil, den die Brauerei selbst etabliert hat.

Der japanische Bierkonzern hatte im Zuge der Fusion von AB-InBev und SAB Miller bereits einige Marken und Brauereien akquiriert, die aus kartellrechtlichen Gründen nicht bei den bisherigen Besitzern verbleiben konnten, darunter Pilsner Urquell, Peroni oder Meantime.

Nun erwirbt man für 250 Mio. Pfund (ca. 285 Mio. €) die Bier- und Brauabteilung von Fuller’s, Aktionäre und Teilhaber dürfen sich also freuen. Ihre 380 Pubs und Hotels wird die Firma allerdings weiterhin selbst verwalten.

Damit geht eine der letzten unabhängigen britischen Mittelstandsbrauereien in Konzernbesitz über. Entlassungen wurden bereits angekündigt, auch wenn der Großteil der Mitarbeiter übernommen werden soll.

Neue Geschäftsführer bei Von Freude

Die Hamburger Kuckucksbrauer (Bierunternehmen ohne eigene Brauerei) Von Freude haben sich Verstärkung geholt. Christian Loeb bringt zwar kaum Erfahrung im Bierbereich mit, durchaus aber im Bereich von Konsumgütern des täglichen Bedarfs (FMCG).

Um das Bier kümmern sich Gründer Natalie Warneke und Martin Schupeta weiterhin selbst. Ziel ist, die Marke Von Freude weithin verfügbar zu machen. Einen eigenen Laden in den Colonnaden, einer Fußgängerzone in Hamburg, hat man bereits eröffnet, nun soll es bundesweit in die Regale gehen.

Für Amüsement sorgte Schupeta, als er in der Pressemitteilung 2019 zum “Jahr des neuen Bierstils IPA” erklärte. Gemeint ist damit natürlich, dass die neumodischen Vertreter dieses Stils, hopfengestopft mit fruchtigen Aromahopfen und alkoholstark, es 2019 in Deutschland endlich zur breiten Masse schaffen.

Doch warum nicht ein wenig polarisieren, damit jene aufschreien, für die IPAs schon längst ein alter Hut sind? Schließlich lobt Loeb ja auch gerade die Abwesenheit von “Craft-Gehabe” bei Von Freude, was auch immer das ist.
Mal sehen, ob Schupeta mit seiner Prognose richtig liegt.

Brlo übernimmt das Craft Zentrum Berlin

Es war schon ein kleiner Coup, als Brlo im letzten Jahr als Minderheitsgesellschafter beim Craft Zentrum in Berlin-Spandau einstieg. Das Konzept ist in Deutschland einzigartig und bietet Auftragsbrauern die Möglichkeit, professionell zu brauen und abzufüllen. Zwar ist dies auch in anderen Brauereien möglich und üblich, jedoch ist keine andere Brauerei von Beginn an darauf ausgelegt.

Nun folgt der nächste Schritt, die komplette Übernahme durch Brlo. Gründer Ivan Semikin, der ähnliche Projekte bereits in anderen Ländern verantwortet hat, bleibt dem Craft Zentrum erhalten. Ob er sich überhoben hat oder tatsächlich, wie offiziell verlautbart, einfach mehr Zeit mit der Familie verbringen möchte, sei dahingestellt. Über mangelnden Andrang konnte sich das Craft Zentrum jedenfalls nicht beschweren. Wichtig ist, das Brlo das Konzept weiterführen will.

Mit etwas Sorge dürften kreative Kleinbrauer aus Berlin allerdings doch Richtung Spandau schauen. Denn die kanadischen Kreativpioniere von Steamworks haben das Craft Zentrum als ihre erste Heimat für Europa auserkoren. Demnächst werden also Biere wie Flagship IPA, Cucumber Killer und Heroica Red Ale aus Spandau für Frische in den Regalen sorgen, in denen Steamworks schon seit einiger Zeit zu finden ist wie z.B. Metro und Real.

Wieviel Platz allerdings zwischen der Bierproduktion für die Brlo-Flaschen und der Europa-Produktion von Steamworks-Bieren bleiben wird für die wirklich Kleinen, muss sich zeigen.
Auf jeden Fall erkennt Brlo das Problem und kündigt eine schrittweise Erweiterung auf einen Jahresausstoß von 25.000 Hektolitern an. Zum Vergleich: eine Berliner Kleinbrauerei mit eigener Anlage produziert zwischen ca. 1.000 und 5.000 Hektolitern jährlich.

Shutdown existenzbedrohlich für Kleinbrauer

Als Deutschland seine 100 Tage ohne Regierung durchlitt, litt kaum jemand. Doch da liefen die Dienste der Ämter auch unbehelligt weiter. Der Shutdown in den USA hingegen betrifft den Staatshaushalt und legte daher einige Staatsorgane lahm. Wie dies Auswirkungen auf das Brauwesen haben kann?

Die USA sind das brauereireichste Land der Welt, mit über 7.000 Brauereien (es folgen Großbritannien mit 2.000 und Deutschland mit 1.400). Viele dieser Brauereien definieren sich über Vielfalt, riskieren viel für teure Sude und sind auf deren Verkauf angewiesen. Künstler werden engagiert, um coole Designs zu machen, Etiketten werden aufwendig gedruckt, und dann…heißt es warten!

Denn das Alcohol and Tobacco Tax & Trade Bureau (TTB) muss neue Etiketten erstmal bewilligen. Doch während des Shutdowns priorisierte das verbliebene Team aus gut 50 Mitarbeitern andere Aufgaben, und die Etiketten blieben liegen und sammelten sich an, ca. 10.000 Etiketten für Alkoholika warten auf Bewilligung.

Da gerade Kleinbrauer oft von einem Sud zum anderen wirtschaften und nun teils schon gebrautes Bier nicht wie geplant in den Handel bringen können, kann dies tatsächlich zu Schließungen führen – insbesondere, wenn sich Demokraten und Republikaner bis zum 15. Februar weiterhin nicht auf einen Haushalt einigen können.

Streitpunkt sind die 5,7 Milliarden Dollar, die Präsident Donald Trump für den Ausbau der US-Südgrenze haben will. Wer hätte gedacht, dass Trumps Mauer mal zu einer Bedrohung für Bier „Made in the USA” werden könnte? Hieß nicht sein Wahlkampfspruch „Make America great again“?

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Photo Credit: Fuller Smith & Turner

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