Was gärt XXX – RateBeer, Identitäre, Braukunst Live! & Internorga

Was gärt XXX – RateBeer, Identitäre, Braukunst Live! & Internorga

Was war denn da los, liebe Bierwelt? Der Jahresanfang war ja doch eher schläfrig, doch plötzlich wird es kontrovers, kontrovers, kontrovers. Jede Menge Zündstoff in dieser Ausgabe. Die unabhängige Bewertungsplattform RateBeer wird abhängig, Meininger kauft die Braukunst Live!, ein finnischer Brauereibesitzer posiert in Nazi-Aufmachung und auch auf der Internorga schleichen sich Elemente von Rechtsaußen ein.

AB-InBev übernimmt RateBeer komplett

Wie unser Schwestermagazin Mixology – Magazin für Barkultur im Juni 2017 berichtete, hielt das Anheuser Busch-InBev-Subunternehmen ZX Ventures bereits einen Minderheitsanteil an der weltweit meistgenutzten Bierbewertungswebsite ratebeer.com. Geschäftsführer Joe Tucker ließ unlängst verlautbaren, dass dieser Minderheitsanteil nun zu einem Mehrheitsanteil geworden ist: 100%.

Natürlich muss nun die Frage gestellt werden, wie eine unabhängige Bierbewertungsseite, die vollständig dem größten Bierkonzern der Welt gehört, noch unabhängig agieren soll. Dabei geht es nicht einzig um die Bewertungen selbst, die von Nutzern abgegeben werden und ab einer aussagekräftigen Menge angezeigt werden, sondern durchaus auch um andere Funktionen.

Viele Nutzer suchen auf RateBeer Basisinformationen zu Bieren oder Stilen. Und man kann seinen Hut darauf verwetten, dass die neuen Funktionen und Updates, die im Zuge der Übernahme versprochen wurden, AB-InBev-Produkte oder Inhalte gekonnt darüber platzieren werden.

Dafür böten sich sowohl Gastartikel wie etwa auf Heinekens Beerwulf Shop, Vorschläge und Links à la „Nutzer interessierten sich auch für Bier X“ als auch die RateBeer Awards an, die inzwischen internationales Renommé haben.

Entsprechend negativ reagierten viele Benutzer der Seite auf die Neuigkeiten. Ob eine Massenabwanderung zur mobilen Alternative UnTappd oder BeerAdvocate zu erwarten ist?

Meininger Verlag kauft Braukunst Live!

Die Braukunst Live! In München ist im jährlichen Bierkalender eine feste Größe für deutsche Klein- und Kreativbrauer als auch internationale Akteure. Frank Böer, gleichzeitig Veranstalter des Finest-Spirits-Festivals, erkannte 2011 die Zeichen der Zeit und richtete den Messe-Festival-Hybrid im Frühjahr 2012 erstmals aus, etablierte sich, expandierte.

Doch inzwischen ist die Luft an der Spitze dünner geworden.

Viele etablierte Messen des Getränkesektors an sich, mit größerem Budget und größerer Reichweite ausgestattet, spielen inzwischen eifrig mit: Internorga, Brau Beviale, DrincTec, um nur einige zu nennen. Hinzu kommen jede Menge Bierfestivals. Und die Braukunst konkurriert mit allen um die Aufmerksamkeit der Gäste und der ausstellenden Brauereien.

Der nächste Schritt ist daher durchaus logisch: Verkauf an einen medien- und finanzstarken Player, der den nächsten Schritt machen kann.

Was hält die Zukunft also für die Braukunst Live! – dann im neunten Jahr – bereit? Man wird im Vorfeld sicherlich mehr über sie hören, auch und gerade überregional. Das Konzept der Premiumpartner könnte ausgebaut werden, da man hier mit größerer Reichweite und Berichterstattung locken kann.

Auch wird der Verlag mit Sicherheit bestehende Aktionen wie die Meininger Craft Awards in die Braukunst einbinden und z.B. Gewinner hier verkünden. Ob man dem Verkehrsmuseum, welches in den volleren Jahren etwas knapp wirkte, treu bleibt, oder einen anderen Veranstaltungsort sucht, wird sich zeigen. Böer selbst zieht es nun nach Kanada, wo er ein Tourismusprojekt aufbauen möchte. Wir wünschen viel Erfolg!

Bryggeri Helsinki hat Inhaber mit SS-Fimmel

Schlecht staunte man als Kenner der Berliner Bierszene nicht, als die taz anlässlich der Nahrungsmittelmesse Grüne Woche auf Fotos des Inhabers der Bryggeri Helsinki verwies, auf denen er stolz mit seines Vaters SS-Helm und -Mütze posiert.

Da Finnland in diesem Jahr als Partnerland der Messe fungierte, schenkte Pekka Kääriäinen dort auch sein Bier aus. Die Bryggeri Helsinki eröffnete vor wenigen Monaten eine Kneipe in Berlin-Prenzlauer Berg.

Kääriäinen ist Vorstand eines SS-Veteranenvereins, der übersetzt Brüder-Hilfe e.V. heißt. Laut Kääriäinen ging es bei Gründung ausschließlich um Veteranen, die sich auch finanziell gegenseitig unterstützten. Inwiefern ein solcher Verein dann heute noch notwendig ist, ist eine andere Frage. Der Brauereiinhaber gibt im Bezug auf die Bilder zu bedenken, dass Nazi-Symbolik in Finnland nicht gesetzeswidrig sei, was allerdings nicht erklärt, warum er sich zur Zurschaustellung genötigt sieht.

Auf jeden Fall ist er nicht gut zu sprechen auf neuere Forschungsergebnisse, in denen die Division Wiking, in der die ca. 1.400 Finnen dienten, nicht mehr als die einzige SS-Division dargestellt wird, die an keinerlei Kriegsverbrechen beteiligt war.

Identitäre auf der Internorga?

Dass die politischen Rechtsaußen-Hipster von der identitären Bewegung, eine Vereinigung unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, auch auf sogenanntes „Craft Beer“ machen, um ihre ungemein sinnvollen Störaktionen zu finanzieren, darüber berichtete 3B vor einem Jahr.

Unlängst fiel jedoch den Betreibern des Bierlokals Alles Elbe in Hamburg beim Durchstöbern der Teilnehmerliste des Bier-Bereichs auf der Getränkemesse Internorga (15.-19. März 2019) auf, dass die Identitären dort auszustellen gedachten.
Wie das passieren konnte? Mit derselben Taktik, mit der eine Rechtsaußen-Versammlung sich im Brauhaus Lemke am Schloss Charlottenburg einen Raum ergatterte: Anmeldung unter anderem Namen.

Die Okzident Media UG, bei der Identitäre Bewegung-Vorsitzende Daniel Fiß der Geschäftsführer ist, meldete den Stand an. Da hätten so einige Standnachbarn aber wohl recht ungläubig dreingeschaut.
Die Internorga reagierte schnell und entfernte die Okzident Media aus der Ausstellerliste. Das allein ist noch keine Garantie für eine Nichtteilnahme, doch es wird wohl auf einen Ausschluss hinauslaufen. Das Bier der IB ist übrigens momentan nicht verfügbar. Verkauft es sich zu gut oder zu schlecht?

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Photo Credit: Eeshan Garg / Unsplash Credit 3B

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