Willkommen in Grand Rapids: Zu Besuch bei Founders Brewing

Willkommen in Grand Rapids: Zu Besuch bei Founders Brewing

Mit Founders Brewing zählt Dave Engbers zu den Pionieren der US-Kreativbierszene. Begonnen hat die Geschichte jedoch in einem Kleiderschrank. Und zwar in jenem seines Geschäftspartners Mike Stevens, in dem er sich auf einer College-Party vor der Polizei verstecken musste, wie er Peter Eichhorn bei dessen Besuch in Michigan verrät.

Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan trägt den stolzen Beinamen „Beer City, USA“. Mehr als 80 Brauereien sind in der Region nordöstlich von Chicago versammelt. Eine Braustätte, die maßgeblich zum Bier-Ruf von Michigan beiträgt, ist Founders Brewing.

Founders Brewing: vom Kleiderschrank zur Gründung

In diesem Jahr wird die Brauerei – nach amerikanischen Maßstäben – volljährig. Vor 21 Jahren riefen Dave Engbers und Mike Stevens ihr Brauprojekt ins Leben.

„Der Anfang war gar nicht so einfach“, erinnert sich Dave Engbers. „Mein ältester Bruder hatte in Kalifornien bereits mit Heimbrauen begonnen und hat mich mit Craft Beer bekannt gemacht. Der Geschmack dieser Biere hat mein Leben verändert. Meine Eltern schenkten mir dann den ersten Homebrewing-Kit. Ich studierte dann einen Sommer in Österreich und fand sympathisch, wie selbstverständlich Bier in Europa zum geselligen Miteinander gehört. Man trank in Gesellschaft: Männer, Frauen, Familien. Und irgendwo war immer ein Hund dabei. In den USA war das anders. Bier war ein Männergetränk in den Sportsbars, wo Football lief. Mike habe ich dann im College getroffen. Er schmiss eine Party und die Polizei platzte herein, um die Veranstaltung mit Minderjährigen beim Alkohol zu unterbinden. Ich versteckte mich in einem Schrank mit Mikes späterer Frau und einem Hünen aus Schweden“, wirft Dave Engbers einen amüsierten Blick zurück.

„Später habe ich als Lehrer gearbeitet“, so Dave Engbers weiter, „aber das Brauen ließ mich nicht los. Ich möchte in meinem Leben im Nachhinein nichts bedauern. Ken Grossman von Sierra Nevada und die Bell’s Brewery waren große Vorbilder, das Buch ‚The Complete Joy of Homebrewing‘ von Charlie Papazian war meine Gebrauchsanweisung.“ Die Founders Brewing-Brauerei wurde gegründet.

Der Dirty Bastard macht für Founders Brewing den Unterschied

Zu Beginn lief nicht alles rund. Nach acht Monaten wurde das Geld knapp und Gehälter konnten nicht mehr gezahlt werden. Der Bankrott rückte immer näher, und so beschlossen die beiden, mit Trompeten und Fanfaren in den Untergang zu marschieren und als letztes Bier noch eines zu brauen, das ihrem persönlichen Geschmack entsprach.

Es wurde ein Scotch Ale, das sie „Dirty Bastard“ nannten. Das Bier wurde ein ungeheurer Erfolg und sicherte den Weiterbestand der Marke. Noch heute zählt es zum Portfolio und wird auch im Taproom der Brauerei gerne bestellt.

Seither gilt das Motto der Marke: Für uns selbst gebraut. Ab 2002 startete die Brauerei ihr spezielles Barrel-Ageing-Programm. Fortan wurden die fassgereiften Brauspezialitäten zu einem herausragenden Merkmal bei Founders Brewing. In einer stillgelegten Gips-Mine, 30 Meter unter der Erde etwas außerhalb von Grand Rapids, lagern unglaubliche 25.000 Fässer für die gereiften Klassiker, sowie auch neue Experimente: Sauerbiere im Bourbon-Fass oder kraftvolles Stout im torfigen Islay-Fass mit der Aufschrift „Ardbeg“.

Manches gelingt, anderes sind Fortbildungen für die mehr als 20 Brauer. Jedes Fass wird nur einmal verwendet. Gerade in diesen Tagen wurde die alljährliche limitierte Edition des „Founders CBS“ veröffentlicht und lockte wieder tausende Fans zum Taproom und zu Release-Parties in aller Welt. CBS steht für Canadian Breakfast Stout. Dahinter verbirgt sich ein Imperial Stout, das in Fässern reift, in denen zunächst Bourbon und dann Ahornsirup lagerte.

Willkommen in Grand Rapids: Zu Besuch bei Founders Brewing

Founders Brewing und sein All Day IPA

Der Verkaufsschlager und das Rückgrat von Founders Brewing ist das „All Day IPA“; das Urgestein der Kategorie „Session IPA“, also dem leichter gehaltenen IPA, dessen Hopfigkeit eher dem IPA als dem Pale Ale ähnelt, bei dem Drinkability und Alkoholgehalt etwas leichter und entspannter daher kommen.

Mehr als 20 Sude und mehrere Jahre benötigte Braumeister Jeremy Kosmicki ab 2009, um das Bier perfekt zu komponieren. Er verrät: „Mein Lieblingsbierstil ist IPA. Damals gab es nicht viele Ansätze, Session-Biere aufregend zu gestalten. Das Ziel war niedriger Alkoholgehalt und ein nicht zu bitteres, volles Aroma. Die größte Herausforderung bestand darin, es in perfekter Balance zu brauen. Es ist kein ‚Light-Beer‘ es ist ein volles IPA, aber eben mit weniger Alkohol.“

Zunächst testete Founders Brewing das Bier im eigenen Taproom und in nur vier Bundesstaaten, bis sich herausstellte, dass das Bier selbst von den Hardcore-IPA-Fans hervorragend angenommen wird. Gleichzeitig zeigten sich aber auch Lagerbier-Trinker aufgeschlossen, die die Hopfenbittere nicht so arg verschreckte wie bei manch anderem IPA. Das All Day Session IPA mit leichten 4,7% Vol. wird entsprechend in den USA auch in 15-er Dosenpacks verkauft. Auch in Deutschland ist das All Day IPA mittlerweile erhältlich.

Die Brauerei von Founders Brewing: rot und gut sichtbar

Die Gebäude von Founders Brewing leuchten weithin sichtbar rot und lotsen die Besucher zur Brauereiführung, in den gutbesuchten Fanshop oder in den gigantischen Taproom mit dutzenden Zapfhähnen, der tatsächlich an jedem Tag der Woche zum Bersten gefüllt ist.

An elf Terminen in jeder Woche finden öffentliche Führungen statt. 15 Dollar Eintritt beinhalten eine sehr informative Tour und diverse Biere zum Verkosten. Hygiene spielt bei Founders Brewing eine wichtige Rolle, und so sind viele sensible Bereiche der Brauerei nur über Umgehungen und Galerien im Obergeschoss zu überblicken. Immer wieder sieht man Schilder mit Anekdoten und Informationen aus der Brauereientwicklung, Grafiken veranschaulichen Biergeschichte und –herstellung auf eingängige Art und Weise. Selbstverständlich wird insbesondere das Fassreifungs-Programm intensiv erläutert. Der Ausklang im Verkostungsraum rundet den geselligen Besuch ab.

Founders_Brewing

Founders Brewing is brewed for us!

Faszinierend ist sicher der Eindruck, den sämtliche Mitarbeiter ausstrahlen: die Brauer, die Guides, die Zapfer und das Service-Personal im Taproom – sie alle verkörpern die Marke und stehen voller Freude hinter dem Produkt von Mike Stevens und Dave Engbers. Das wirkt nie gekünstelt. Immer echt. Wer die Brauerei dann verlässt, zeigt sich meist beeindruckt von der Kreativität und Ausgewogenheit der Biere. Aber insbesondere davon, dass der Slogan bei Founders Brewing tatsächlich gilt: „Brewed for us!“

Offenlegung: Founders Brewing übernahm die Reisekosten des Autors für den Besuch der Brauerei in Grand Rapids.

Photo Credit: Peter Eichhorn

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